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Designklassiker im Garten: der Guhl-Stuhl

Meisterstücke des Schweizer Neofunktionalismus mitten in Bochum

Meisterstücke des Schweizer Neofunktionalismus mitten in Bochum

Fronleichnam 2015: Endlich Sommer! Also nix wie ab in den Garten, und zwar in den wunderschönen von Annette und Roland. Nicht groß, aber mit viel Liebe und Annettes grünem Daumen gestaltet. Blickfang (mal abgesehen von dem Goldfischteich, der weinüberrankten Terrasse und dem beneidenswert großen Feigenbaum): vier Stühle der besonderen Art, nämlich Original-Loop-Chairs aus den 50ern.
Bei – wie sich das gehört – Käffchen und Erdbeerkuchen ist die Geschichte, wie die Stühle in diesen Garten kamen, schnell erzählt und ein bisschen traurig. Traurig, weil die ursprünglichen Besitzer, ein Ehepaar aus Dortmund, nicht mehr leben. Die beiden wohnten in einem schönen Haus, umgeben von den Designklassikern ihrer Jugend (die damals natürlich noch keine Klassiker waren, sondern modern). Darunter eben auch diese Gartenstühle, die 1954 von dem Schweizer Möbeldesigner Willy Guhl entworfen wurden.

Guhl Stuhl

Kater Marley fühlt sich pudelwohl

Guhl (soweit ich weiß, weder verwandt noch verschwägert mit dem Shampoo) wollte gutes Design bezahlbar machen und war auf der Suche nach einer sinnvollen Verbindung von Handwerk und Industrie. Da kam ihm die Anfrage von Eternit (einem Schweizer Unternehmen, das nach neuen Anwendungen für seinen Faserzement Ausschau hielt) gerade recht. Und während die Normplatten aus der Maschine quollen (so zumindest stelle ich mir die Szene vor), dachte sich Willy Guhl: „Momentchen mal, die Breite ist ungefähr die eines Sessels, das Material leicht formbar, da könnte man doch eine kleine Endlos-Schleife draus machen und prima darauf sitzen.“ Und zack war die Idee geboren!

Der Loop-Chair entwickelte sich schnell zum Bestseller und war, da der Produktionsaufwand denkbar gering war, mit 50 Franken pro Stück wirklich für jedermann erschwinglich. Das Nachfolgemodell von 2002 kostet mittlerweile rund 800 Euro. Die Originale werden heute übrigens ab 1500 Euro gehandelt …

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Zurück in den Garten von Annette und Roland. Die beiden haben die Stühle weder neu noch gebraucht gekauft, sondern von dem freundlichen alten Paar aus Dortmund geerbt. Wer weiß, vielleicht haben die beiden alten Herrschaften ja geahnt, dass ihre Guhl-Stühle in die besten Hände kommen und in Ehren gehalten werden …

Habt ihr zu Hause auch ein ganz besonderes Möbel- oder Designerstück mit einer Geschichte, die unbedingt mal erzählt werden sollte? Dann schickt mir eine Mail!

7 Kommentare

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  3. das sind wahre Schmuckstücke des klassischen Designs! Ich kann mir perfekt vorstellen wie bequem sie sind und trotzdem passen sie sich super jeder Umgebung an. Viele meiner Kunden hätten die wohl gerne, aber manchmal kann man eben wirklich coole Dinge nicht eifach im Laden kaufen!

    • Bettina sagt

      Stimmt, ich finde auch, die „Neubauten“ reichen nicht an die Originale ran …

  4. Babette sagt

    Die sind wirklich herrlich. Dieser verwitterte Eternit sieht auf grünem Rasen großartig aus!

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