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Heikes Garten

Bruchsteinmauer im Garten

Ich habe mir fest vorgenommen, in diesem Artikel die Begriffe „Paradies“, „Oase“ und „Idylle“ nicht zu verwenden – sie würden allesamt passen, aber das ist mir echt zu klischeemäßig und kommt in jedem Artikel in „Mein schöner Garten“ gefühlte tausendmal vor. Das geht doch sicher auch anders …

Auf geht’s! Und zwar nach Hagen. Das Tor zum Sauerland, aber doch noch Ruhrgebiet, nur mit mehr Bergen. Also, dort in Hagen am Hang liegen 1000 Quadratmeter, von denen jeder einzelne zu den schönsten der Region zählen dürfte. Das hier ist mehr als ein Garten, das ist die Heimat von Heike, ihr ganz persönliches „Home“: „Im Sommer ist der Garten meine Wohnung, da lebe ich mehr draußen als drinnen im Haus.“

In der Tat hat dieser Garten, genau wie eine Wohnung, einen Grundriss, nur dass die Wände geschwungen sind und der Himmel die Decke ist. Aber einzelne Räume sind klar zu erkennen: Es gibt ein Esszimmer, mehrere Sonnen- und Schattenräume, blaue, gelbe und weiße Salons und last but not least einen Pool. Sogar ein Schlafzimmer, denn auf einer der Terrassen steht ein richtiges Bett für die besonders warmen Sommernächte mit Sternegucken und allem Pipapo.

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Heike öffnet uns ihr Gartentörchen an einem warmen Vormittag mitten im Juni – beste Rosenzeit also! Die Rosen wachsen vor und hinter Heikes Haus in gigantischen Büschen und tatsächlich in den Himmel, denn mehrere alte Obstbäume dienen als Klettergerüst für herrliche weiß-rosa blühende Ramblerrosen. Unterpflanzt sind diese Bäume mit farblich abgestimmten Rabatten, die wie kleine Inseln auf dem sauber abgestochenen Rasen liegen.

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„Farblich abgestimmt“ ist hier übrigens alles. „Ich komm mir manchmal vor wie so’n Pyrotechniker“, lacht Heike. „So wie ein Künstler ein Gemälde komponiert, gestalte ich meinen Garten.“ Ein ganzes Museum ist das dann hier mittlerweile! Also bitte, Heike, dann gewähre uns eine Führung, ja? Macht sie gerne, setzt einen kundigen Blick auf und zeigt uns erstmal die Frühstücksterrasse seitlich des Hauses. „Hier startet das Gartenjahr komplett in Blau: An Drahtseilen wächst Blauregen über die ganze Terrasse. Die Beete drumrum sind mit Hunderten von Bluebells bepflanzt, dazwischen Akeleien und Vergissmeinicht. Das ist dann, als wenn man in einem blauen Zimmer sitzt, und auch drinnen im Haus verändert sich das Licht. Wenn wir hier draußen sitzen, ist das außerdem eine wunderbare Duftdusche!“

„Ich liebe das Üppige!“

Duft spielt überhaupt eine große Rolle auf diesem Terrain (au weia, Terrain ist kein guter Ersatz für P…, O… und I…). Egal wo man steht, ständig umweht einen irgendein betörender Geruch, schmeichelnder als jedes Parfüm, eine olfaktorische Orgie sozusagen. Schade, dass es kein Odorama-Internet gibt, dann könntet ihr jetzt auch ne Nase nehmen.

Wenn das Blau abgeblüht ist, kommen in Heikes Garten die violetten Töne zum Vorschein, zum Beispiel bei diesen hübschen Allium-Kugeln auf dünnen Stielen, die über dem Beet zu schweben scheinen. Eine tolle Kombination dazu sind Pflanzen mit rötlichen oder silbrigen Blättern. So wie der pink (!) blühende Mohn, der leider schon fast verblüht ist – was für eine Pracht! Und was für eine Üppigkeit überall! „Üppig muss es schon sein“, erklärt Heike ihr Gartenkonzept. „Meistens kaufe ich nur eine oder ganz wenige Pflanzen von einer Sorte und vermehre die selbst. Nach ein paar Jahren habe ich dann diese tolle Fülle.“ Der pinke Schlafmohn ist einjährig, also lässt Heike die Kapseln ausreifen, entnimmt dann die Samen und sät sie genau dort aus, wo sie den Mohn im nächsten Jahr wachsen sehen will. Klingt total einfach, wenn sie das sagt, bei uns im Garten ist sowas allerdings noch nie gelungen …

Heike Wahnbaeck

Heike, das Rosenresli

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Eine olfaktorische Orgie

Wir gehen weiter zum Teich bzw. um den Teich herum. In einer Ecke, vor dem Zaun zum Nachbargrundstück, hat Heikes Freund Martin eine Mini-Terrasse angelegt, auf die genau eine Bank passt und von der aus man einen schönen Blick über das Wasser in den Garten hat. Wie bestellt schwirrt auch noch eine blaue Libelle vorbei! „Hier scheint morgens schon früh die Sonne hin und dann trink ich hier meinen ersten Kaffee.“ Gegenüber befindet sich der wahrscheinlich kleinste Strand weltweit, auf den genau zwei Sonnenliegen passen. Reicht doch! Oberhalb des Bachlaufs (ja, den gibt’s auch) liegt Teichterrasse Nummer drei, schön schattig, man hört nur das Glucksen des Wassers und das dezente Quaken der Grasfrösche. Stunden könnte ich hier verbringen, Kaffee trinken, quatschen und mich durch den Tag träumen … aber Heike hat nicht ewig Zeit, sondern außer Gärtnern auch noch anderes zu tun, zum Beispiel als Grafik-Designerin arbeiten, Festivals (Hagener „Muschelsalat“) organisieren, fotografieren (alle Nahaufnahmen in diesem Beitrag stammen von ihr), töpfern (s. Foto oben) oder Saft und Wein aus den eigenen Trauben machen (Hagener Spätlese).

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Doch zurück zu Heikes Farbkonzept. Nach Blau und Violett geht’s über ins Weiße und Gelbe. Kamille ohne Ende verbreitet eine diffuse Wirkung in den Beeten. „Dahinter wachsen dann bald die weißen, runden Köpfe der Annabell.“ Oder vor einem anderen Staudenbeet: „Hier wird alles gelb, die Ränder habe ich mit diesem fluffigen Gelb des Lerchensporns gestaltet, dahinter eine frühblühende Taglilie. Ich mag dieses Beet besonders, weil sich hier dieselbe Farbe in unterschiedlichen Strukturen und Formen wiederholt“, erklärt unsere Expertin. „Später, so in Richtung Herbst, überwiegen dann Gold- und Kupfertöne.“ Man sieht, da steckt ein richtiges System dahinter!

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An dieser Stelle stopp! Ich könnte noch seitenweise begeistert über Heikes Garten schwadronieren, aber das klemm ich mir, sonst wird dieser Artikel zu lang und ich benutze doch noch P…, O… oder I… Aaaaaber ich finde: Es wäre eine Schande, wenn Heikes unglaublich umfassendes Gartenwissen nicht unters Volk käme. Und – hurra! – Heike war sofort bereit, ihr Know-how mit den Living.Ruhr-Lesern zu teilen! In welcher Form genau das vonstatten gehen wird, steht noch nicht ganz fest. Jedenfalls soll es nicht was Abgehobenes werden, sondern Tipps, die jeder Hobbygärtner bzw. Balkonbesitzer unkompliziert umsetzen kann. Wenn ihr also Wünsche oder Vorschläge habt, immer her damit, ich freu mich!

Kennt ihr auch einen tollen Garten oder Balkon, über den hier mal berichtet werden sollte? Dann schickt doch eine Mail und ein, zwei Fotos an bettina@living.ruhr, vielleicht wird ja ein Blogbeitrag raus?!

12 Kommentare

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  4. Jörn Jockelsberg sagt

    wie toll! so ein Traumgarten! So etwas Einzigartiges hätte ich auch gerne! Wie schön, dass man auf diese Weise daran teilhaben kann. Schön dass es diesen Block im Netz gibt? Weiter so!! Ich bin ein Fan.

    • Bettina sagt

      Lieber Jörn, vielen Dank für die Blumen 🙂

  5. Simone sagt

    Hallo Bettina, leider haben wir keinen Garten, aber einen Balkon. Da könnte ich noch gute Tipps gebrauchen! LG Simone

    • Bettina sagt

      Liebe Simone, danke für die Anregung, das wird sicher bald mal ein Thema für die Garten-Rubrik 🙂

  6. Ingo Meyer sagt

    Gibt es so etwas wie die Hagener-Offenen-Gärten und kann man dann den Garten mal besichtigen?

  7. Barbara Brinkmann sagt

    Oh, so ein schöner Garten! Der hätte echt einen Preis verdient 🙂

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