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Kreative Inspiration und Tipps für glückliches Wohnen

Lesevergnügen im Doppelpack:
„Happy Living“ von Maria Spassov und „Rooms“ von Kerstin Rose

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Okay, ich geb’s zu, der Buchtitel „Happy Living“ hat mich im ersten Moment etwas abgeschreckt, weil er mir mit dem Herzchen vorne drauf irgendwie zu niedlich war. Um so froher war ich, als sich der Bildband als gut durchdachter Wohnratgeber entpuppte!

 

 

 

 

Gleich zu Anfang stellt die Autorin Maria Spassov klar, was sie unter „happy living“ versteht: dass man sich klar wird über die eigenen Bedürfnisse, lieber lebhaft mixt statt penibel Ordnung zu halten, Persönlichkeit einbringt statt Markennamen kauft, Spaß über Perfektion stellt, entspannt bleibt und das Haus mit Licht und Farbe füllt. Da bin ich natürlich voll auf ihrer Seite, das könnte glatt von mir sein!

Keine Angst vor Farben! Vor der knallgelben Wand und unter der dunkelblauen Decke macht das Abhängen noch mehr Spaß (Foto: Jeff Herr). Kräftiges Petrol sorgt im Schlafzimmer für süße Träume und macht morgens direkt gute Laune (Foto: Nicole Lamac).

 

Ich weiß aber auch, dass es schwierig sein kann, diesen persönlichen Stil zu finden und sich auch wirklich zu trauen, seine Wohnung danach einzurichten. Und hier hat Maria Spassov ein gutes Rezept: sieben Zutaten braucht man für glückliches Wohnen! Jeder Baustein wird mit vielen Beispielfotos, Interviews mit Fachleuten und – praktisch! – Check- bzw. Tipplisten unterfüttert.

Sieben Zutaten für glückliches Wohnen:

1. Farbe: Nur Mut, liebe „mit weißer Raufaser machste nix verkehrt“-Fraktion! Der liebe Gott hat so viele wundervolle Farben erfunden, also nutze sie!
2. Lieblingsstücke mit Seele: das muss nichts Hippes sein, auch eine alte Lampe, Souvenirs oder Omas Häkeldeckchen haben ihren eigenen Charme (apropos Charme, das Interview zu diesem Punkt wird mit Til Schweiger geführt!).
3. Gemütlichkeit: Sicher gibt’s auch Leute, die sich in steriler Umgebung wohlfühlen, aber vielleicht sind ja doch die glücklicher, die was aus Rattan oder Holz haben, Erinerungsfotos an der Wand, Pflanzen, Poufs (Link). Also: Probier’s mal mit Gemütlichkeit, mit Ruhe und Gemütlichkeit … dumdidum …
4. Mix-Zauber: Nicht nur in der Liebe, auch beim Wohnen ziehen sich Gegensätze an – alt und neu, edel und günstig, zart und grob, Designerstück und Bastelarbeit …
5. Leichtigkeit: Die Reduktion auf Wesentliches ist ungeheuer entspannend. Leere Flächen, kein Schnickschnack, viel Weiß und Naturtöne, nichts, was den Geist auf dumme Gedanken bringt …
6. Nachhaltigkeit: nichts mit ex und hopp, stattdessen Bio, Fairtrade, Secondhand, Flohmarkt, Upcycling.
7. Pflanzen: Go green! Es lebe der Zimmerpflanzentrend! Grünzeug sieht übrigens in Gruppen angeordnet besser und üppiger aus als einzelne Töpfe im Sicherheitsabstand voneinander, und es können auch mal einzelne Blumen in originellen Gefäßen sein, das aber jetzt nur mal so zur Anregung.

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Der leuchtend blaue 60er-Jahre-Sessel setzt einen leuchtenden Akzent in dem zurückgenommenen Skandi-Stil (Foto: Hervé Goluza)

 

Nach soviel Rezeptur geht’s auf Tour durch neun Domizile auf unterschiedlichen Kontinenten. Sozusagen weltumspannend zeigt sich: die individuelle Note macht den Charme eines Zuhauses aus. Das ist jetzt für die Möbel- und Wohnaccessoire-Industrie nicht unbedingt eine gute Nachricht, aber für dich und mich schon, oder? Natürlich gibt’s auch in den hier vorgestellten Beispielen Trendiges und Designerstücke, aber immer fleißig gemixt und gemasht mit persönlichen Stücken und allem anderen, was oben unter Punkt eins bis sieben steht.

Fazit: ein im besten Sinne des Wortes inspirierendes Buch.

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Ins selbe Horn bläst das Buch „Rooms – Zuhause bei Kreativen“. Auch hier werden individuelle Interiors vorgestellt, allerdings geht es wesentlich gediegener zu. Das fängt bei der Covergestaltung an und setzt sich zwischen den Buchdeckeln fort.

 

 

 

 

Durch die Bank wirken die Einrichtungen sehr durchdacht und konsequent. Die vorgestellten 19 Domizile werden von Kreativen bewohnt (Kreativdirektoren, Grafikdesignern, Künstlern, Innenarchitekten u.a.), also von Menschen, die auch beruflich mit Gestaltung zu tun haben. Zum Teil ist schon die Architektur alleine ein Traum: zum Beispiel ein alter Stadtpalazzo in Neapel, eine Alpenhütte oder eine ehemalige Fabrik in Barcelona. Selbst ohne Möbel würde man da auf der Stelle einziehen!

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Die 60er lassen grüßen: Dieses Ledersofa von Arne Jacobsen steht in einer ziemlich coolen Wohnung in Paris (Foto: Christian Schaulin).

 

Stilmäßig sind die Wohnungen und Häuser sehr unterschiedlich (also wirklich sehr, mal hell und minimalistisch, mal üppig und prunkvoll, mal modern, mal retro). Die Autorin Kerstin Rose erzählt jeweils ein bisschen über die Bewohner und ihr jeweiliges Einrichtungskonzept. Was allen gemeinsam ist: Sie überlassen offensichtlich nichts dem Zufall. Die Stile werden ziemlich konsequent durchgezogen, Brüche sind eher selten, und so gut wie nichts ist ungestylt, jeder Kontrast bewusst inszeniert. Aber das kann natürlich auch am Fotokonzept liegen, dass alles, was nicht 100% passt, vor dem Shooting kurz weggeräumt wurde. Fast möchte man das hoffen!

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Nix für Prinzessinnen auf der Erbse ist dieser Matratzenstapel, alle anderen dürften selig drin schlafen (Foto: Christian Schaulin).

 

Das Herrliche an diesem Buch: Man kann sich so wunderbar hineinträumen in die Interiors, auch wegen der unterschiedlichen Adressen in ganz Europa. So ein lichtdurchflutetes Landhaus in Süditalien, weiße leichte Vorhänge schützen die Veranda vor der Mittagssonne, Rosmarinduft durchzieht die Küche, im Garten blühen Rosen und Lavendel … stop … oh, eine alte Villa in Belgien, mit Ölgemälden, knarzenden Holzdecken und einem riesigen weißen Sofa mit einem Meer von Leinenkissen, in die man hineinsinkt, um … stop … genau das meine ich! So kann man 19 Mal seinen eigenen Gedanken nachhängen (oh, das ist ja ne gute Idee mit der Tapete, aber aua, wie kann man so einen hässlichen Sessel in diesen tollen Raum stellen, und argh, diese Lampe ist echt schlimm, aber hach hach hach, diese Badezimmerfliesen, her damit) und Inspirationen für die eigenen vier Wände sammeln.

Fazit: ein schöner Bildband für einen Sonntagnachmittag aufm Sofa.

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Schön, wenn man viel Platz im Badezimmer hat: Dann ist so eine Schiebewand aus Lochblech ein echt cooler Raumteiler (Foto: Christian Schaulin).

2 Kommentare

  1. Mareike Bernau sagt

    Das sind zwei interessante Tipps! Ich nehme das erste Buch und schenke es meiner Freundin Babsi zum Geburtstag.

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