Kreative Köpfe
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#Kreative Köpfe: Produktdesigner Ralph Kraeuter

Kraeuter

Man müsste mal …

Früher – also in meinem Leben vor diesem Blog – dachte ich immer, Designer würden grundsätzlich in Lofts wohnen und wären extrovertierte Enfant-terribles. Stimmt ja gar nicht! Alle, die ich bisher kennengelernt habe, waren ausgesprochen umgänglich und bodenständig. Und erstaunlich viele leben in Doppelhaushälften. So auch der Produktdesigner Ralph Kraeuter.

Ein verkehrsberuhigtes Wohngebiet in Moers: In Reih und Glied stehen hier die Familien-Eigenheime, dazwischen Carports und Schaukeln, es ist ruhig, sehr ruhig. Im letzten Haus am Ende einer Sackgasse wohnen die Kraeuters. Gleich im Vorgarten weisen zwei Vogelhäuschen und ein Briefkasten auf den Besitzer hin. Denn beide stammen aus der Hand oder besser gesagt dem Hirn von Ralph Kraeuter, der hier nicht nur mit Frau und Tochter wohnt, sondern auch als freiberuflicher Designer arbeitet. Oben im ausgebauten Dach befindet sich das Home-Office, aber eigentlich ist das ganze Haus ein Showroom für Kraeuter-Design. Sogar die Küchenstühle, auf denen wir beim Interview saßen, sind seine Entwürfe.

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Übrigens bin ich auf der Suche nach neuen Kandidaten für die Kreative-Köpfe-Rubrik gleich zweimal über Ralph gestolpert: zum ersten Mal bei Kerstin und Ingo, der mit Ralph zusammen studiert hat und vor vielen Jahren mit noch einem Kommilitonen eine kleine Firma hatte, zum zweiten Mal bei Judith in der Wohngemeinschaft, die einige seiner Produkte vertreibt und mir ihn wärmstens ans Herz legte. Besonders angetan hatte es mir damals sein „Fly Inn“, besagtes Vogelhäuschen, das auch bei ihm vor der Haustür auf einem Pfosten steht. Es muss jedoch nicht stehen, man kann es ebenso gut an einer Wand oder am Balkongeländer befestigen oder in einen Blumenkasten stecken.

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Damit sind wir schon bei einem Hauptmerkmal von Ralphs Produkten: Sie sind praktisch. Wer je ein Vogelhäuschen hatte, weiß sicherlich zu schätzen, wenn dieses sehr einfach zu befüllen und vor allem sauber zu halten ist. Und es hat einen Ablauf, was in unseren regenreichen Gefilden ein echter Vorteil ist. Das Styling à la amerikanischem Diner passt durchaus zum Futterverhalten der Vögel, die eigentlich von Natur aus Fast-Food-Fans sind, also mal eben angeflogen kommen, ein bisschen was wegpicken und ruckzuck wieder das Weite suchen. Insofern ist der lange „Tresen“ der Fütterstation absolut sinnvoll. Auch das Material ist dankbar: beschichteter Edelstahl. Und wie ich an diesem Vormittag in Moers gelernt habe, ist Edelstahl nicht immer unbedingt edel, dieser hier aber schon. „Wenn auf meinen Produkten outdoor draufsteht, rostet da nix“, verspricht Ralph.

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Seit über zehn Jahren arbeitet er als Freelancer für das Brühler Designlabel Radius, das sich ebenfalls Funktionalität und Design auf die Fahnen geschrieben hat. Die Dinge sehen nicht nur gut aus, sondern erfüllen auch einen guten Zweck. „Ich mache nie reine Deko, es muss immer auch eine Funktion haben“, erklärt Ralph sein Konzept. Ein weiteres entscheidendes Kriterium sind die Produktionskosten. „Die habe ich immer im Auge. Je einfacher und unkomplizierter eine Konstruktion ist, desto günstiger wird’s. Am besten ist ein Produkt aus einem Stück, damit es einfach ausgestanzt werden kann.“ Wie zum Beispiel der Zeitungsständer, den Ralph für Radius entworfen hat. Er ist aus einem einzigen Stück Blech und hat sechs Fächer, in denen man bis zu 30 Zeitungen übersichtlich stapeln kann. Das Blech wird zunächst ausgestanzt, danach geknickt. Dann geht’s ab in die Pulverbeschichtungsanlage und später in den Ofen. Das Ergebnis: eine glatte, durchgehende Oberfläche.

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Coral, der Zeitschriftenständer

Oft steht am Anfang eines Projektes ein Man-müsste-mal-Satz. Ein Beispiel: Man müsste mal – angesichts des zunehmenden Internethandels – einen Briefkasten entwickeln, in den man auch Pakete werfen kann. Gesagt, getan: Heraus kam der große Letterman, ein Postkasten mit einer großen Klappe. Ist das Paket einmal drinnen, kommt man nur noch mit dem passenden Schlüssel dran. Übrigens: Schuhkartons passen prima rein 🙂

Unter dem Label „crown presents“ vertreibt vertreibt Ralph seine eigenen, etwas emotionaleren Entwürfe. Aber sogar beim Thema Geschenk denkt er praktisch: Man müsste mal eine kleine Aufmerksamkeit entwickeln, die hübsch aussieht, praktisch ist und in einen Briefumschlag passt. Gesagt, getan: Heraus kam „Wonder Mail“: kleine, überaus nützliche Gegenstände, absolut bezahlbar (12 bis 18 Euro), die sowohl als Mitbringsel als auch per Post einfach Spitzengeschenke sind! „Cpt. Hook“ ist ein super Küchentool. Der Pirat hat eine magnetische Nase, unter die man ein Küchenmesser klemmen kann, und am Bart hängen vier Haken für Topflappen oder andere Utensilien. Der „Hottiepot“ ist ein voll funktionstaugliches Ein-Becher-Stövchen, „Louis XVI“ ein romantischer, barocker Kerzenständer, „Pieps“ ein Meisenknödelaufhänger und „Butler“ ein Mini-Krawattendisplay. Und jedes dieser Teilchen passt in einen normalen Briefumschlag! Schaut mal hier.

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Auf der Website gibt’s noch viel mehr zu entdecken! Zum Beispiel den barbecube, einen würfelförmigen Gemüsegrill. Klappe auf, Gemüse rein, auf den Grill damit, dann und wann drehen, fertig. Geniales Patent, das wirklich funktioniert! Ganz zauberhaft finde ich übrigens auch das Beistelltischchen „Petits Fours“ (sieht aus wie ein Torten-Spitzendeckchen), das fehlt noch auf unserer Terrasse.

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Den Vertrieb dieser Produkte managt Ralph von seinem Keller aus. Voll professionell ausgestattet mit langen Lagerregalen, Trillionen von Verpackungstyroporkügelchen und einer Papierverpackungsmaschine. Und wenn er nicht gerade im Keller seine Produkte eintütet und in alle Welt verschickt, trifft man ihn auf den einschlägigen Veranstaltungen und Messen seiner Branche.

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Ich war nach diesem Besuch jedenfalls völlig beeindruckt von dem vielfältigen Output des Produktdesigners. Meine Frage, ob er nicht Angst hat, dass ihm irgendwann mal nichts Neues mehr einfällt, quittiert Ralph jedenfalls mit einem verständnislosen Blick und der Antwort: „Nö. Wieso?“

Ralphs Produkte findet ihr auf seinen eigenen Seiten hier,  hier und hier. Außerdem unter anderem bei ikarus, connox und architonic. Seinen schicken, kleinen Schreibtisch Miss Moneypenny, der unbedingt noch erwähnt werden sollte, gibt’s zum Beispiel bei amazon.

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Fast hätte ich’s vergessen: Zum Beispiel für Firmen-Events oder große Partys hat Ralph einen Tresen mit austauschbaren Motiven (Logos etc.) entwickelt, der sogar die Farbe wechseln kann!

6 Kommentare

  1. Pingback: LIVING.RUHR » Die Weihnachtsdeko-Challenge 2016

  2. Und Ralph ist ein wunderbarer Kollege. Gemeinsam haben wir Designausstellungen in Essen erlebt, so jetzt z.B. im PopUpShop in der Theaterpassage. Dort gibt es auch den Tresen zum Angucken und Anfassen…

    • Bettina sagt

      Gut zu wissen, danke für die Info! Bis wann geht denn die Ausstellung noch?
      LG Bettina

    • Ute Mäuser sagt

      Der PopUpShophop ist auf jeden Fall bis Ende Mai. Öffnungszeiten von Mi bis Fr von 12 bis 18 Uhr und Sa von 11 bis 16 Uhr.

  3. Geli Dreier sagt

    Der Mann hat großartige Ideen, witzig, praktisch und handfest. „Miss Moneypenny “ gucke ich mir auch noch schnell an. Danke Bettina!

    • Bettina sagt

      Danke, liebe Geli 🙂
      Mein persönlicher Favorit ist das kleine Beistelltischchen …

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