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#Lieblingsladen: Frachtraum in Dortmund

 

Frachtraum Dortmund

„Der Laden ist für mich nicht nur irgendein Beruf, sondern Leidenschaft“, sagt Fabio Bruno, und aus seinen großen braunen Augen funkelt pure Begeisterung. Der „Frachtraum“ im Dortmunder Kreuzviertel ist für ihn die Verwirklichung eines Traums: ein Mix aus alten, recycelten und selbstgemachten Möbeln und Wohnaccessoires im Industriedesign-Stil.

Ursprünglich hat er ganz was anderes gelernt. Nach Fachabi für Wirtschaft und Verwaltung hat Fabio schnell gemerkt, dass ein Bürojob nichts für ihn ist (verständlich!) und erstmal eine Ausbildung zum Garten- und Landschaftsbauer gemacht. „Ich bin eben ein Naturmensch und gehe gerne wandern, angeln oder Pilze sammeln“, gesteht er. Es folgten ein paar Jahre als Angestellter in einem Baumarkt, aber eigentlich war ihm schon früh klar: Ich will mich selbständig machen. Hinzu kam sein Interesse für Möbel und Design und schwuppdiwupp entstand vor zwei Jahren sein „Frachtraum“. Fabio erzählt: „In Dortmund gab es so einen Laden noch nicht. Der Trend zum Industriedesign kommt ja ursprünglich aus Holland. Ich bin echt happy, dass der Laden hier so gut angenommen wurde.“

Frachtraum Dortmund

Frachtraum Dortmund

Frachtraum Dortmund

Alles, was dort verkauft wird, hat eine Geschichte (bis auf die kleine Auswahl von kulinarischen Spezereien, die sind natürlich frisch). Außerdem hat er neue Dinge wie zum Beispiel Kerzen in alten Gurkengläsern, hergestellt in einer sozialen Werkstatt in Holland, oder ein altes Einmachglas als Deckenlampe, im Sortiment. „Ich finde diese Nachhaltigkeit wichtig, das sind alles alte Sachen oder upgecycelte oder solche, die ich zusammen mit einem Schreiner und einem Schweißer aus gebrauchten Materialien neu baue, so wie zum Beispiel dieser Couchtisch aus alten Baubohlen.“

Frachtraum Dortmund

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Viele der blechernen Lampenschirme oder Eimer waren in ihrem ersten Leben Fässer, bevor sie ausrangiert und schließlich umgearbeitet wurden. Oder die Bilderrahmen und Tabletts, hergestellt aus alten Bootshölzern – ziemlich schwere Teile, die garantiert nie kaputt gehen. Unkaputtbar ist im Frachtraum so einiges: zum Beispiel der alte Werkstattwagen aus den 70er/80er Jahren, ein echter – Handwerker kennen sicher die Marke – Dowidat Trabant. Wird heute noch genau so hergestellt und kostet neu so um 1200 Euro. Gebraucht bei Fabio für 249 Euro zu haben, dafür aber mit einer unbezahlbar schönen Patina.

Viele Teile im Frachtraum sind „echt alt“, also weitgehend unbehandelt, und das soll auch so sein: Fabio findet es gut, möglichst wenig an den Möbeln zu überarbeiten und zeigt auf einen alten, weißen Praxis-Metallschrank von – Ärzte kennen sicher die Marke – Baisch: „Schau mal hier, das ist noch das Original-Glas und die Erstlackierung.“
Oder der hohe, schmale Schubladenschrank aus den 30ern. „Absolut unverwüstlich“, verspricht Fabio. Er ist komplett aus Holz und hat eine Zentralverriegelung (!), super für Akten und Unterlagen, die nicht jeder sehen soll. Oder für Schuhe. Je länger ich drüber nachdenke, desto besser gefällt mir das Ding als Schuhschrank …

Wo kommen die ganzen schönen Stücke her? Fabio hält sich bedeckt, verständlich, schließlich hat er sich in vielen Jahren Arbeit ein Netzwerk von Kontakten zu Händlern und anderen Quellen aufgebaut. „Das Schöne ist, ich bin viel unterwegs – im In- und Ausland. Ich bin mittlerweile in der Szene zu Hause und weiß schon, wo ich meine Schätzchen finde.“
Und Schätzchen hat er in der Tat viele! Hauptsächlich verkauft er diese über seinen Laden, aber auch über seine Homepage oder Dawanda. Kaufinteressenten kommen nicht nur aus Dortmund und dem Ruhrgebiet, sondern mittlerweile auch aus Berlin oder Köln zu Fabio in den Laden, und per Spedition verschickt er seine Ware deutschlandweit, aber auch in die Schweiz und nach Holland, Österreich oder Schweden.

Frachtraum Dortmund

Frachtraum Dortmund

Gut gefallen hat mir eine alte Werkbank, so aus richtig dickem, altem Holz. Wäre super in der Küche als Ablage, aber in unsere passt beim besten Willen nix mehr rein, was größer ist als zum Beispiel eine Dose. Mein Lieblingsschätzchen jedoch, das ich direkt beim ersten Rundumblick erspäht hatte, nämlich eine alte Blech-Spüli-Dose (!) in einem wunderschönen Pink (die perfekt zu den rosa Wänden gepasst hätte), entpuppte sich als unverkäuflich! Auch die vielen Leuchtbuchstaben aus alten Ladenreklamen könnten mir gefallen. Am Ende des inspirierenden Besuches jedenfalls habe mich dann mit einem Blecheimer getröstet, der ab jetzt sein dekoratives Dasein als Blumenkübel auf unserer Terrasse fristen wird 🙂

Und ihr? Steht ihr auch auf Industriedesign und upgecycelte Möbel?

Ihr steht auf schöne Dinge für eure vier Wände? Dann schaut doch mal hier bei den „20 Sachen, die den Juni schöner machen“ vorbei. Ab jetzt jeden Monat auf living.ruhr!

7 Kommentare

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  2. Marco sagt

    Ich finde den Upcycling-Trend toll und finde in Flohmarkthallen immer wieder interessante Stücke, aus denen man was machen kann. Das ist dann nicht so teuer wie im Laden.

    • Bettina sagt

      Das stimmt einerseits. Aber soooo teuer finde ich die Sachen im Frachtraum gar nicht, vor allem gemessen an den Preisen, die andere Händer so aufrufen … und ich selber bin jetzt nicht so die Heimwerkerin 😉

  3. Nicole sagt

    Ich bin schon so oft da vorbei gefahren und nie reingegangen. Das wird sich jetzt ändern!

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