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#Lieblingsladen: Frollein Fritz in Dortmund

 

Frollein Fritz

Ein Hauch von Trash

Gedöns meint laut Duden „für den alltäglichen Gebrauch nicht unbedingt notwendige und deshalb als überflüssig erachtete Gegenstände“ und ist somit die beste Umschreibung für das, was es in dem herrlichen Laden von Petra Komorowski in Dortmund zu kaufen gibt: Willkommen bei Frollein Fritz!

Beim Betreten des Ladens, eigentlich schon vorher beim Schaufenstergucken, kriegt unsereiner Schnappatmung vor Entzücken. Soooo viele schöne Sachen! Soooo buntes Zeug! Soooo schön schräg und witzig und liebevoll alles! Und Petra hat soooo viele Flausen und Ideen im Kopf, dass es eine reine Freude ist, sie zu besuchen und ihr zuzuhören.

Frollein Fritz, Werkstatt

Um in Ruhe zu quatschen, verdrücken wir uns in die Werkstatt direkt hinterm Laden. Da ist es noch voller als im Verkaufsraum. Überall liegen Möbelteile, Lampenschirme, Stoffe, Kuscheltiere, Kerzenständer – fertig, halbfertig oder unbearbeitet. Das Chaos ist aber nur scheinbar, denn alles hat seinen Platz, und Borten, Knöpfe, Papiere und weitere Utensilien werden sorgsam in beschriftete Kisten und Schubladen sortiert: „Klar, sonst finde ich ja nix wieder.“ Auf dem großen Tisch liegt allerlei Werkzeug: Schere, Messer, Klebepistole, Nadeln und alles, was man sonst noch zum Basteln gebraucht.

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Wo kommt der ganze Kram her? „Von Flohmärkten, aus Secondhandläden, auch schonmal von ebay, überall halt, wo altes Zeug verkauft wird. Manche Stoffe kaufe ich auch von Leuten in den USA, die tolles Design machen“, verrät sie. „Ich arbeite mit alten Stoffen, Bettlaken, Vorhängen, Tischdecken, Frotteehandtüchern, Wandbehängen und Teppichen.“

„Bunt, schön und schräg“

Dass die Materialien alt sind, ist ihr wichtig. Nachhaltigkeit ist nicht nur ein Modebegriff für Petra, und sie wird ganz ernst, wenn sie sagt: „Es kann doch nicht sein, dass wir so viele absolut brauchbare Sachen einfach wegwerfen!“ Sie zeigt auf einen Lampenfuß, der eindeutig aus einem Oma-Haushalt stammt. „Ich überlege, was kann man damit machen, kann das was werden? Und dann experimentier ich rum, beklebe mal was oder umwickele es, je nachdem.“ Sie zeigt auf einen zweiteiligen Raumteiler: „Den da will ich mit Teppich beziehen, auf die andere Seite kommt so ne geile Hirschtapete. Borte kommt auch noch drauf.“

Petra hat schon viel erlebt. Zum Beispiel eine Lehre als Modistin, also als Hutmacherin. Zum Beispiel ein Studium der visuellen Kommunikation. Schon damals war sie anders als alle anderen: Während die angehenden Designer um sie herum das machten, was sie „sehr deutsches Design, minimalistisch und aufgeräumt“ nennt, war Petra einfach anders unterwegs: „Bunt, schön und schräg, mit einem Hauch ins Trashige.“

Frollein Fritz, Radio Frollein Fritz, Nähkästchen

 

Nach dem Studium kam ein Job als Fotodesignerin, aber da klafften oft Welten zwischen dem, was sie, und dem, was die Kunden gut fanden. „Diesen Kampf wollte ich nicht. Und dann wurd’s halt ein Laden.“ Der hieß erst einmal „Klunker“ und verkaufte „ziemlich durchgeknallten Strassschmuck und meine eigenen Sachen“. 16 Jahre dauerte diese Phase, bis es ihr damit reichte und sie nochmal neu durchstarten wollte.

„Klatsch ist die Idee da!“

Petra hatte jede Menge Erfahrung als Geschäftsfrau, ein gelerntes Handwerk und unendlich viel Fantasie und Ideen auf der Haben-Seite. Eins plus eins ergab also in logischer Konsequenz Frollein Fritz. Den Laden eröffnete sie vor gut zwei Jahren mitten in der Dortmunder Altstadt (zu erkennen an den nostalgischen Straßenschildern).

Hat sie keine Angst, dass ihr die Ideen mal ausgehen? Ein entschiedenes „Nä!“ ist die Antwort. „Ich bin irgendwo, sehe irgendwas, und klatsch ist die Idee da. Ich kann gar nicht anders. Zum Beispiel bei dieser Lampe, die wirklich hässlich war, dachte ich, da muss unbedingt was drum. Dann rotiert so ein Gedanke zwei Tage in meinem Kopf, bis ich weiß, was zu tun ist. Das klappt meistens, aber nicht immer. Bei besagter Lampe hab ich Streifen von Stoffresten drumgewickelt, und dann war alles gut. Die Lampe heißt jetzt ,Der Krake‘!“

Eine Lampe namens "Der Krake"

Eine Lampe namens „Der Krake“

Petras Fantasie ist scheinbar grenzenlos. Auf einer ollen Glaslampe hängt ein Krokodil, ein Kronleuchter ist mit Puppenköpfen dekoriert (einer meiner persönlichen Favoriten in dem Laden), Stofftiere formen einen Lampenfuß, Sammelteller werden mit geklebten Collagen aufgepimpt. „Stofftiere sind toll“, schwärmt sie, „Ich hab mal welche mit Beton ausgegossen, das sind super Türstopper!“ Gemeinsam blättern wir uns durch einen Ordner mit den gesammelten Komorowski-Werken. Auffallend viele Lampen sind dabei, und das hat auch seinen Grund: „Lampen sind skulptural. Sie stehen oder hängen in der Wohnung wie Kunstwerke. Und ich finde, eine Lampe muss nochmal gewinnen, wenn man sie anknipst. Diese alten Aufsteckschirmchen da drüben machen übrigens ein ganz tolles Licht.“

Auf den ersten Blick sind Petras Möbel und Objekte richtig niedlich, also mädchenhaft, aber auf den zweiten entdeckt man Totenschädel, Waffen und Lucha Libre Masken (mexikanische Wrestler tragen sowas, um ihre Gegner zu erschrecken). „Ich steh auf Frauen und Knarren“, bekennt Petra. „Meine Heldin ist Barbarella, und ich bin Fan von Tarantino.“ Ist also doch nicht so’n reiner Mädchenladen: Vieles was erstmal nur hübsch rüberkommt, wird ironisch gebrochen, so wird zum Beispiel eine Maske mit einem Rosenmuster kombiniert oder ein Gewehr mit Blümchentapete. Aber keine Sorge, meine Damen, das Meiste ist einfach nur schön, bunt und schräg.

Frollein Fritz, Wand2 Frollein Fritz, Wand1

Ihr wirklich unendliches Wissen zum Thema Upcycling gibt Petra übrigens auch in Workshops weiter. Bei ihr zu Hause in der Wohnung steht ein großer Tisch, an dem wird gewerkelt. Aber erstmal wird den Teilnehmern eine Dosis Theorie verpasst: „Da lernen die Leute, was man mit Upcycling alles erreichen kann, wie toll Wohnungen damit aussehen können.“ Damit man sich besser vorstellen kann, wie so ein upgecyceltes Möbelstück entsteht, wird jeder Schritt – vom Ausgangsmaterial bis zum fertigen Teil – fotografiert und den Teilnehmern gezeigt. „So lernen sie,
dass man zum Beispiel eine Schublade auch prima an die Wand hängen kann!“ Wer will, kann dann nach dem Theorie- noch einen Praxiskurs buchen und selber was handwerkeln.

„Ich steh auf Frauen und Knarren“

Für den Dezember sind übrigens gleich zwei Lampen-Workshops geplant, von wegen helles Licht in dunkler Jahreszeit und so … Also, wer Interesse hat (zum Beispiel ich) schaut dann und wann mal auf Petras Facebook-Seite vorbei, denn dort werden alle Workshops angekündigt. Ihre Seite ist auch sonst einen Besuch wert: Jede Woche, wenn sie ein Baustellenschild (dessen eigentlichen Sinn wohl keiner kennt) vor der Haustür neu dekoriert, postet sie ein Foto davon. Und von dem ganzen herrlichen, neuen Gedöns sowieso!

Frollein Fritz, Petra Komorowski

9 Kommentare

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  5. Roswitha Hertel sagt

    Die Umsetzung finde ich toll. Auch ich suche für eine Gemeinschaftswerkstatt noch weitere kreative Köpfe die Ihre Produkte in einem Showroom vermarkten möchten. Mit öffentlichem Werkstattcafe. Ziel gemeinsam an Produkten werkeln, Miete für Werkstatt teilen spaß haben und Kunden in uriger Athmosphäre bewirten die einen Blick auf die produkte werfen können. eventuell Beratung falls gewünscht alles locker und fluffig.

    • Bettina sagt

      Ahoi Jana, ja das finde ich auch, ich fahr sicher auch bald wieder hin. Herzlich, Bettina

  6. Helge Janssen sagt

    Da werde ich mal vorbeigehen und mir ein paar Anregungen dürfen Werkunterricht holen. Super Artikel, super Laden.

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