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#Lieblingsladen: Riccio in Bochum

Riccio Bochum

Fenster zum Hof

Was gibt’s denn bei Riccio so zu kaufen? Och, so dies und das, zum Beispiel Sessel, Stühle, Tische, Vasen, Bilderrahmen, Kerzenständer, Schalen, Gläser, Messerbänkchen (!), Becher, Skulpturen, Schüsseln, Windlichter, Leitern, Stehlampen, Flaschen, Schaukelstühle, Teppiche, Gemälde, Tischlampen, Buchstaben, Gefäße, Stofftiere, Plakate, Kissen, Taschen, Masken, Schulbänke, Hängelampen, Deko-Objekte … jahahaaa genau, eine Fundgrube für Interior-Fans!

Schon die Location lässt mein Herz schneller pochen: Eine kleine Halle im Hinterhof in der Jakobstraße (daher der Name „Jakobhof“), schräg links hinterm Bochumer Schauspielhaus, das rote Haus, da durch die Einfahrt und dann rechts rein. Hohe Decken, Fliesenboden, Industrieambiente mit schönen alten Sprossenfenstern – atmosphärisch stimmt hier alles!
Riccio (Italienisch für: Igel) ist der Laden von Julia Gagg und Gereon Josephs. Die beiden haben sich hier ihren Traum erfüllt: mit schönen Dingen handeln. Und jetzt, nach einem Jahr, sieht’s so aus, als wenn das klappen könnte mit dem Plan, damit irgendwann genug Geld zum Leben zu verdienen. Bis es soweit ist, ist Riccio nicht nur Showroom, sondern auch das Arbeitszimmer von Grafik- und Webdesignerin Julia (zu ihrer Website geht’s hier) und Tischlermeister Gereon (seine ist hier).

Julia Gagg und Gereon Josephs

Für schöne Dinge haben sich die zwei schon immer interessiert. Gereon baut seit vielen Jahren Möbel (u. a. Franz Ferdinand, Pablo und Livingroom in Bochum) und hat über seinen Bruder, der einen Interieur-Laden in Düsseldorf betreibt, schon früh in die Branche reingeschnuppert. Auch Julia hatte immer schon einige besondere Stücke in ihrer Wohnung stehen. Irgendwann entdeckten die beiden das schöne Hinterhofgebäude und waren sich einig: Da müssen wir was draus machen. Und das haben sie dann auch!

Frank Reenskaug Schaukelstuhl

So einen Schaukelstuhl hatte Frank Sinatra auch!

Riccio Bochum

Im Hintergrund: Gemälde von Martin Wehmer

Das Besondere an Riccio ist, dass alles, was dort liegt, steht und hängt, wirklich von Julia und Gereon irgendwo aufgestöbert wurde, also nix mit „Wir fahren mal auf die Messe x und kaufen y Kollektionen von den gängigen z Designern“. Im Gegenteil: „Unsere Kinder sind immer schon genervt, dass sie, egal in welche Stadt wir kommen, immer mit auf die Flohmärkte müssen“, plaudert Julia aus dem Familiennähkästchen. „Wenn du so einen Job machst, läufst du mit anderen Augen durch die Gegend“, ergänzt Gereon. „Du siehst aus dem Auto was in einem Laden, und zack, hältst du an und gehst rein.“ Auch im Urlaub übrigens, zum Beispiel in Ligurien oder Peking.
Ja, Peking! Dort wohnt und arbeitet Martin Wehmer, der einst in Hattingen auf die Welt kam und nun ein ziemlich bekannter Maler ist, dessen Werke bei Riccio verkauft werden. Die Motive sind eigentlich ganz profan, Porträts oder Gegenstände wie zum Beispiel Gummihandschuhe oder Stiefel – jedoch auf meist großen Leinwänden und nicht mit dem Pinsel, sondern mit einem breiten Spatel aufgetragen. Im Jakobhof hängen einige seiner Gemälde, wer mag, kann ja mal auf der Riccio-Website danach Ausschau halten. Apropos Web, der Verkauf der schönen Dinge läuft längst nicht nur über das Ladenlokal (das wirklich total schön und einen Besuch wert ist, aber das sagte ich ja schon), sondern auch übers Netz. Was für die beiden sehr praktisch ist, denn soooooo der Nabel der Interior-Welt ist Bochum dann ja doch nicht.

Aber bevor ich jetzt abschweife, zurück zur Kunst. Ich bin ganz verliebt in die Stoff-Bulldogge, die den Eingang der Halle fest im leicht unfreundlichen Blick hat und von Anne-Valerie Dupond gefertigt wurde. Die französische Textil-Künstlerin näht Skulpturen, unter anderem auch ein Pin-up-Girl, das 500-fach bei einer Modenschau von Christian Lacroix unter der Decke hing und von dem nun eines bei Riccio zu kaufen ist. Julia und Gereon haben die Stoffskulpturen in einer kleinen Galerie in Nizza entdeckt und spontan Kontakt mit der Künstlerin aufgenommen, die gerne einige Arbeiten für Riccio zur Verfügung stellte.

„Wir entdecken immer wieder neue Designer“

Während anfangs einiges an serienmäßigen Dekoartikeln im Sortiment war, geht’s jetzt mehr und mehr Richtung Einzelstücke. „Wir lernen immer mehr dazu, wir sind sozusagen im ersten Lehrjahr“, grinst Gereon. „Das Internet ist eine tolle Quelle, und wir lesen auch sehr viel Literatur zu Design, Möbeln und ihrer Geschichte.“ Schlaumachen ist wichtig, denn häufig bringen Leute Möbel oder Gegenstände in den Laden, die sie zum Beispiel geerbt haben oder einfach loswerden wollen. Julia: „Dabei entdecken wir immer wieder neue Designer.“ Sie zeigt auf einen superschönen Schaukelstuhl aus Holz mit karierten Sitz- und Rückenpolstern. „Er ist aus den 50er/60er Jahren und von Frank Reenskaug. Sinatra hatte auch so einen!“ Reenskaug … nie gehört, wer war’n das? Hab ich zu Hause natürlich gegoogelt und zack, zig von diesen Stühlen auf verschiedenen Portalen, für ziemlich viel Geld sogar …

Riccio Tütenlampe

Ist die nicht toll? Bin hin und weg!

Vieles übrigens, was bei Riccio angeboten wird, kostet woanders viel mehr Geld! Also auch für echte Design-Sammler lohnt sich ein Besuch. In der Halle steht zum Beispiel ein Willy Guhl Stuhl, der aufmerksamen Lesern dieses Blogs bekannt vorkommen dürfte (hier). Oder wie wär’s mit einer alten riesigen Industrielampe überm Esstisch? Julia und Gereon sind ganz stolz, dass 30 davon demnächst bei der nächsten Staffel von „The Voice of Germany“ hängen werden. „Ein paar davon haben wir noch, also schnell zugreifen“, augenzwinkert Gereon.

„Wir sind sozusagen im ersten Lehrjahr!“

Ich finde die Industrielampen auch wirklich schön, aber ganz ehrlich, mein Herz hab ich dann doch an eine andere Lampe verloren: Sie ist riesengroß, hat 24 Messingarme und daran Tütenlämpchen in sechs verschiedenen, wunderschönen Farbtönen – ein Traum! Im Geiste hängt sie schon über unserem Esstisch, in Wirklichkeit muss ich wohl noch ein Weilchen darauf sparen.
Und wo wir gerade beim Thema Sparen sind: So ein Teppich von Jan Kath ist auch ne feine Sache, was fürs Leben. Für alle, die ihn nicht kennen: Jan Kath, Sprössling einer Bochumer Teppichhändlerdynastie, wohnt mittlerweile im Teppichdesignolymp und hat Niederlassungen unter anderem in New York, Miami und Vancouver (hier geht’s zu seiner Website). Und ratet mal, wo im Ruhrgebiet man eine kleine, aber feine Auswahl findet? Bei Riccio, so ganz von Bochumer zu Bochumer, yep!

Riccio Bochum

Jetzt muss man aber nicht sofort einen Schrecken oder Schwellenangst kriegen, das Schöne ist, dass der Laden sehr vielfältig ist, von kleinen Stehrümchen für 10 Euro über ein breites Mittelfeld bis in höchste Sphären. „Unser Stil ist total gemischt“, beschreibt Julia das Sortiment. „Es ändert sich ständig. Wir haben nicht die Designklassiker, die es überall gibt, sondern eben echte Schätzchen, die man nicht an jeder Ecke findet.“
Und, möchte ich hinzufügen, ganz viele kleine Teile, die schön oder witzig oder beides sind und wirklich bezahlbar. Einfach mal hinfahren und stöbern, das ist mein Tipp!

Habt oder kennt ihr auch schöne Interior-Läden im Ruhrgebiet? Dann freu ich mich auf eure Mail an bettina@living.ruhr, vielleicht wird ja ein Blogbeitrag raus?!

10 Kommentare

  1. Pingback: LIVING.RUHR » Die Weihnachtsdeko-Challenge 2016

  2. Susanne Stieglitz sagt

    Wie würdest Du das Ruhrgebiet denn einkreisen?
    Ich wohne z.B. in Wickede/Ruhr, (Kreis Soest) das ist aber schon bald der Anfang vom Sauerland,aber die Ruhr fließt durch unseren Ort!

  3. Pingback: LIVING.RUHR » Happy Birthday to living.ruhr

  4. Pingback: Zu Besuch bei: Eva und Thomas – LIVING.RUHR

  5. Angelika Dreier sagt

    Diesen tollen Laden hätte ich niemals zufällig entdeckt! Ich bin sehr angetan und werde mir auf jeden Fall die Zeit für einen Besuch nehmen. Danke Bettina, bist ein echtes Trüffelschwein!

    • Bettina sagt

      Danke für das Kompliment, liebe Angelika, ich schnüffel weiter: oink oink 🙂

  6. Lea Schulmann sagt

    Danke für den Tipp. Da werde ich sicher mal vorbeischauen, wenn ich in Bochum bin.

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