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Melanies Schrebergarten

GartenwegSchrebergärten stehen in der Liste der Ruhrgebiets-Klischees ganz weit oben. Doch seit einigen Jahren tut sich was an der Formschnitt-und-Fugenkratzen-Front, das Jungvolk rückt nach und bringt mit alternativen Ideen und einer Prise Anarchie Schwung in die Kleingartenanlagen der Region. Melanie ist Herrin über 200 Quadratmeter im fast 100 Jahre alten Verein „Gut Grün Wehofen“ in Duisburg und verwirklicht dort ihre ganz eigenen Vorstellungen von einem Garten. Ihr grünes Wissen (und das ist wirklich richtig viel!) verrät sie seit sieben Jahren auf ihrem Blog DasgrüneNetzwerk.

Ich habe Melanie am letzten Wochenende auf ihrer Scholle besucht und bei Keksen und Eierlikörkuchen total viel über das Gärtnern gelernt und wirklich gestaunt, was auf so einer relativ kleinen Fläche alles wächst und vor allem gedeiht. Von vielen Pflanzen hatte ich noch nie etwas gehört, geschweige denn sie gesehen. Wusstest du zum Beispiel, dass es auch schwarze Himbeeren gibt? Die übrigens ganz köstlich schmecken?!

schrebergarten-mit-palmeschrebergarten

Man weiß ja nicht, was sich der liebe Gott gedacht hat, als er die unendliche botanische Vielfalt schuf (er hatte auf jeden Fall einen sehr guten Tag, als er das tat). Fast genau so einfallsreich sind die Namen, die manche Pflanzen bekommen haben. So blühen in Melanies Garten unter vielen anderen: Mönchspfeffer, guter Heinrich, Indianerbananen, Natternköpfe, Elefantenohren, Vodoo-Lilien, Jungfern im Grünen und mexikanisches Berufskraut, um nur einige zu nennen. Melanie kennt sie alle, inklusive ihrer botanischen Namen. Und nicht nur das, sie weiß zu jeder einzelnen Pflanze auch eine Menge zu erzählen. Wo sie her kommt, welchen Boden sie braucht, wie man sie vermehrt, wann sie blüht und überhaupt: Melanie ist ein wandelndes Gartenlexikon!

Mini GartenteichGießkannen im Garten

Seit mittlerweile sieben Jahren bloggt sie zu Pflanzenthemen und seitdem sie vor zwei Jahren stolze Laubenpieperin wurde, schwerpunktmäßig über Schrebergärten. Auf www.dasgruenenetzwerk.de schreibt sie regelmäßig (O-Ton: „Immer, wenn ich Lust habe“) über Tipps, Tricks und Wissenswertes aus dem grünen Bereich. Wie schneide ich Lavendel, wie bringe ich Schnecken um, welche Gartenbücher taugen was, Pflanzenporträts, Rezepte mit frischen Zutaten aus dem Garten – Themen gibt es ohne Ende, sie wachsen ja quasi nach. Ein toller Blog, der nicht nur unterhaltsam, sondern wirklich richtig nützlich ist!

insektenhotel-selbstgebaut

schrebergarten

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Zum eigenen Schrebergarten kam Melanie vor zwei Jahren, kurz nachdem sie der Liebe wegen von Bielefeld ins Ruhrgebiet gezogen war. Bekannte erzählten ihr von der freien Parzelle, sie ging gucken, sah die gemauerte Laube und verliebte sich Knall auf Fall. Und machte sich nicht nur mit Liebe, sondern eben auch mit viel Sachverstand daran, diesen Garten schwarze-himbeerenzu ihrer persönlichen Outdoor-Oase zu machen. Für die Wahl-Duisburgerin bedeutet das nicht einfach nur, ein paar hübsch blühende Blumen zu setzen, sondern in der ganzen üppigen Botanik ein ökologisches Gleichgewicht herzustellen (ich selbst bin ja eher so von der Deko-Fraktion, muss ich gestehen). Dann sei das mit dem Unkraut zupfen (pardon, Kulturbegleitkraut zupfen) auch nur halb so wild, beteuert Melanie. Überhaupt, mit zwei Stunden Gartenarbeit pro Woche sei es dann getan. Das allerdings finde ich wirklich eine gute, mutmachende Nachricht!

Rizinus

schrebergarten

bananenstaude

Ihr Wissen hat sie sich zu einem Großteil selbst beigebracht, tonnenweise Literatur vertilgt und in einem Riesengarten damals in Bielefeld sehr viel Erfahrung gesammelt. Und nun ist sie nach einer intensiven Fortbildung auch noch frischgebackene „Fachberaterin für Schrebergärten“. Wieso nutzt sie das ganze Know-how nicht beruflich? Würde sie gerne, hat aber schlechte Karten, weil sie „nicht qualifiziert genug“ sei. Hä? Hallo? Noch qualifizierter geht nicht! Der Beweis ist 1. dieser Schrebergarten und vor allem 2. ihr Blog, der in der Szene seinesgleichen sucht. Also wenn ich ein Gartencenter hätte, ich würde sie mit Kusshand nehmen! Melanie ist nämlich nicht nur kompetent, sondern auch im Umgang mit Menschen kommunikativ und total sympathisch und gibt ihr Wissen in verständlicher Dosierung weiter.

Alte Mangel im Garten

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Es wird ja immer gesagt, die Wohnung sei ein Spiegel der Seele, aber auf den Garten trifft das auch zu. Wie unterschiedlich – und doch immer schön – Gärten gestaltet sind! Erinnerst du dich noch an den Garten von Heike in Hagen? Sie hat den Fokus auf Blumen und Stauden gelegt, auf Farbharmonien und den Wechsel der Jahreszeiten. Im Garten von Frank und Stephan dominiert eine Farbe: grün. Geometrisch strukturiert mit ein paar besonderen Akzenten. Auch total schön, aber eben wieder anders.

Tomaten im SchrebergartenGrüne Tomaten

Doch zurück in Melanies Garten. Beeindruckend finde ich auch den Weg vom Törchen zur Laube. „Fugenkratzen ist so gar nicht mein Ding“, lacht sie, die überhaupt sehr viel lacht und ein sehr fröhlicher Mensch ist. Zwischen die Gehwegplatten hat sie robuste Pflanzen gesetzt, die das Unkraut vertreiben und auf die man auch mal drauftreten kann, ohne dass sie gleich eingehen.

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Für den Nachwuchs sorgt sie meist selbst. „Ich schneide ständig Stecklinge, stecke sie in die Erde und warte ab, was passiert. Meistens treiben sie aus. Guck mal da, zum Beispiel der goldene Oregano.“ Direkt vor unseren Füßen wächst ein Teppich aus intensiv duftendem Oregano. Daneben Blutsauerampfer, wilder Spinat, Wasabi, Gamswurz, Minze, Muskatellersalbei, Bronzefenchel und noch viele andere Kräuter. Mit dem, was in diesem Garten wächst, könnte man locker eine Kleinfamilie ernähren. Was beim besten Willen keinen Platz mehr findet, wird gerne an Passanten verschenkt.

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„Ich habe einen Hang zu Exoten“, gesteht Melanie. Das sind seltene Pflanzen, wie zum Beispiel gelber Sommerflieder (der blaue wächst ja im Ruhrgebiet aus jeder Ritze, aber gelben kannte ich noch nicht), oder alte, wiederentdeckte wie Topinambur oder die Wein- und Karamellbeere, oder auch mediterrane wie Feigen, die sie an einer Wand als Spalier gezogen hat. Hinzu kommen Palmen und Bananenstauden, die im Winter eingeräumt werden müssen.

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Puh, mir schwirrte echt der Kopf bei so viel geballtem Gartenwissen! Eine meiner neuen Lieblingspflanzen war sofort das schwarze Elefantenohr, und weißt du was? Melanie hat mir eins mitgegeben. Und nicht nur das, ich habe auch noch ein grünes Elefantenohr, eine kleine Kaffirlimette, einen Inkagurgen-Trieb, einen Stinkwurz (den wirklichen Namen habe ich leider vergessen), eine Spinnenblume und noch ein schönes, namenloses Gewächs abgesahnt. Hat sich voll gelohnt der Nachmittag, aber nicht nur wegen der Geschenke, vielen Dank, liebe Melanie!

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9 Kommentare

  1. Frau Kramer sagt

    Bei uns in der Kleingartenanlage in Bochum-Weitmar kommen immer mehr jüngere Familien dazu. Darüber freuen wir „alte Hasen“ uns sehr! Herzliche Grüße, Frau Kramer

    • Bettina sagt

      Danke, liebe Frau Kramer, das hören sicher viele Leser sehr gerne, dass Sie bei Ihnen willkommen sind! Herzliche Grüße, Bettina

  2. Klara sagt

    Wenn ich die tollen Fotos sehe, kriege ich richtig Lust, auch einen Schrebergarten zu pachten. Danke für den Artikel! Viele Grüße, Klara

    • Bettina sagt

      Super, liebe Klara, mach das! Und wenn du einen hast, schick mal ein Foto! Liebe Grüße, Bettina

  3. Pingback: Einladung zum Blog-Jubiläum: Living.Ruhr hat mich besucht - Ein Schrebergartenblog vom Niederrhein

  4. Thorsten sagt

    So viele schöne Fotos! Wir haben auch einen Schrebergarten und verbringen jede freie Minute darin.

    • Bettina sagt

      Das versteh ich echt gut, Thorsten! Ich fand, in der Kleingartenanlage lag richtig ein bisschen Urlaubsstimmung in der Luft … Liebe Grüße, Bettina

  5. Gesa Hoffmann sagt

    Toller Bericht! Ich habe auch schon beobachtet, dass es mittlerweile ganz coole Schrebergärten gibt und viele Jüngere, die einen haben. Liebe Grüße, Gesa

    • Bettina sagt

      Stimmt! Und ich habe gehört, dass diese ganzen Vorschriften auch nicht mehr so streng sein sollen 🙂 Liebe Grüße, Bettina

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