Kreative Köpfe
Kommentare 2

#Möbeldesign aus dem Ruhrgebiet No 1: Stückwerk

Stückwerk Dortmund

STÜCKWERK in Dortmund

Letztens war ich ja im Heimatdesign Shop im stilwerk in Dortmund und ganz begeistert von den vielen schönen Möbeln, die direkt vor unserer Haustür entworfen und gebaut werden. Was mich auf die Idee brachte, eine Serie über Möbeldesign aus dem Ruhrgebiet zu machen. Here we go: Den Aufschlag macht das Stückwerk aus Dortmund.

Hinter Stückwerk stehen zwei Dortmunder Jungs: René Struttmann und Johannes Laue. Kennengelernt haben sie sich an der FH im Studiengang Objekt- und Raumdesign. Nicht nur die Chemie zwischen ihnen stimmte, sondern auch der gemeinsame Hintergrund: Beide haben ein solides Handwerk gelernt (Stichwort goldener Boden!) und sind Tischlergeselle (Johannes) bzw. -meister (René). Schnell war klar: Wir machen was mit Möbeln.

Regal Paddle

Regal Paddle in Einzelteilen

Gemeinsam meisterten die zwei die Herausforderungen des Studiums und entwickelten in dieser Zeit schon einige der aktuellen Stückwerk-Produkte. Denn schon im dritten Semester beschlossen René und Johannes den Schritt in die gemeinsame Selbstständigkeit. In einem Seminar sollten sich die Studenten etwas zum Thema „Provisorium“ einfallen lassen. Nach viel Grübelei kam Johannes auf eine Idee: Wenn Tischler ein Türblatt bauen, stellen sie es (provisorisch halt) quer in eine Zimmerecke, damit es Halt hat (mitten im Raum fiele es ja um).

„Wir möchten einfache Möbel bauen“

Dieses eigentlich simple physikalische Prinzip liegt dem Regal „paddle“ zu Grunde, das übrigens mein persönliches Lieblingsstück aus der Stückwerk-Kollektion ist. Eine lange (hochkant) und eine kurze Holzleiste (quer) bilden ein (gedachtes) Dreieck und lehnen so bombenfest in jeder Zimmerecke und sogar in jedem kleinen Wandversprung. Die einzelnen Regalböden aus beschichtetem Multiplex werden an diese Leisten gesteckt. Raffiniert, was? Eigentlich ganz einfach. Ist im Handumdrehen aufgebaut und sieht toll aus, finde ich. Und irgendeine leere Ecke hat man ja immer 😉

Regal Paddle

Regal Paddle: simpel, raffiniert, schön

„Wir möchten einfache Möbel bauen“, bringt René dann auch die Philosophie von Stückwerk auf den Punkt. „Und der Betrachter soll die konstruktiven Elemente verstehen“, ergänzt Johannes. Zum Beispiel beim Tisch „Plug(n)Ply1“, der ohne eine einzige Schraube auskommt und durch Spannseile seine Stabilität erhält. Genau so filigran und doch stabil kommt der Stuhl „Jochen“ daher. Das Gestell ist aus Birke-Multiplex, Sitzfläche und Lehne aus pulverbeschichtetem Aluminium (ist also nicht so kalt unterm Popo), und die verschiedenen Materialien werden durch verschraubte Zapfen verbunden.

Richtig raffiniert ist auch der Tisch mit dem Namen „Neon“. Der Name ist Programm: Von oben betrachtet ist die Tischplatte einfach eine glatte Holzfläche, unten drunter ist sie quietschorange oder giftgrün lackiert. Der Effekt ist verblüffend, denn zum Beispiel die orange Variante taucht Stühle und Boden darunter in warmes rötliches Licht, als wenn der Tisch nach unten leuchten würde.

Strahlemann und Söhne: der Tisch NEON

Strahlemann und Söhne: der Tisch NEON

Jochen, der Stuhl

Jochen, der Stuhl

Nach und nach kommt auf diese Weise eine komplette Möbelausstattung zusammen. Sogar ein Sofa (zu bewundern im Stilwerk)! Außerdem im Stückwerk-Angebot: Halterungen für Sportliche. Der „Bike Stop“ ist ein Fahrradaufhänger für die Wand. Ohne Fahrrad dran ein hübsches kleines Regal, kann man also getrost in den Flur oder ins Wohnzimmer hängen. Ebenso reduziert in der Formgebung ist „Parker“, die Wandaufhängung fürs Skateboard oder Longboard.

Wie lange dauert es eigentlich, ein neues Produkt zu entwickeln? Präzise Antwort von Johannes: „Das kann ne halbe Stunde dauern oder zwei Monate.“ Aha! Meist hat einer von beiden eine Grundidee (und zumindest im Kopf das Endprodukt schon fertig), und dann wird zusammen am Computer getüftelt und schließlich mit dem fertigen Produkt so lange experimentiert und optimiert, bis es serientauglich ist.

Bike Stop

Praktisch: Bike Stop

Computer-Tischler: Johannes

Computer-Tischler: Johannes

Also viele tolle Ideen, professionell umgesetzt … und wie laufen die Geschäfte so? „Wir haben uns vorgenommen, dass wir nach dem Studium genug verdienen, um davon leben zu können. Wir sind jetzt im Frühling fertig mit der Uni geworden, und es klappt“, freut sich Johannes. Das Verhältnis Möbeldesign/Tischlerei ist momentan noch 50/50, soll aber in Zukunft noch mehr in Richtung Design gehen.

Die Prototypen entstehen in der eigenen Werkstatt, ansonsten liegt die Produktion in den Händen einer Behindertenwerkstatt in Lippstadt. „Wir arbeiten supergerne mit dieser Werkstatt zusammen und mögen den sozialen Gedanken dahinter“, so René. Verkauft werden wollen die Sachen natürlich auch. Zwar dient das Stückwerk-Büro auch als Showroom, aber der Vertrieb der Produkte läuft in erster Linie übers Netz, und zwar sowohl über die eigene Homepage als auch zum Beispiel über dawanda oder etsy. Kann also keiner sagen, er hätte die Möbel von René und Johannes nirgends gefunden!

Stückwerk: Büro und Showroom

Stückwerk: Büro und Showroom

Kennt ihr auch kreative Köpfe im Ruhrgebiet, die zum Beispiel Möbel bauen, Vasen töpfern, Stoffe bedrucken oder Häuser und Gärten entwerfen, sprich die irgendwas produzieren oder sich ausdenken, was das häusliche Leben schöner macht? Schickt eine Mail an bettina@living.ruhr und verratet mir eure Lieblingskreativen, ich freu mich auf eure Tipps!

2 Kommentare

  1. Pingback: LIVING.RUHR » Happy Birthday to living.ruhr

  2. Enis Klein sagt

    Wenn ich sehe, wie einfach dieses Eck-Regal konstruiert ist, frage ich mich, warum ich nicht selber auf so eine Idee gekommen bin. Echt tolle Möbel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .