Kreative Köpfe
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#Möbeldesign aus dem Ruhrgebiet No 6: Die Karolchicks

Karolchicks

Tierversuche

Nachdem in den letzten beiden Blogartikeln jeweils ein Hund durchs Bild lief, wird’s Zeit für den Ausgleich: Diesmal sind zwei Katzen mit von der Partie. Bei den Karolchicks spielen Oczko und Szalona quasi die Hauptrolle. Ohne die beiden wäre das Label „Katzenkugel“ längst nicht so authentisch. Ich habe Katarzyna und Maciej in ihrem Bochumer Studio besucht. Dort bauen bauen die beiden Lampen und Möbel und entwickeln Upcycling-Katzenspielzeug.

Bekannt wurden die zwei aber mit ganz was anderem, nämlich mit ihren Fußballlampen. Das kam so: Katarzyna und Maciej hatten den Auftrag, die Bochumer Eisdiele „Kugelpudel“ auszustatten. Während sie so experimentierten und werkelten, musste irgendwann der Müll rausgebracht werden. Und was fanden sie in der Tonne? Zig Fußbälle vom polizeieigenen Sportplatz nebenan! Alle nicht mehr spieltauglich, aber ansonsten intakt. Da müsste man doch was draus machen können … kann man doch nicht einfach wegwerfen … hm hm … grübelgrübel … na klar, wir machen daraus eine super kugelige Lampe für den Pudel!

Fußballlampe Karolchicks
Bald nachdem Katarzyna und Maciej dieses Licht aufgegangen war, gingen sie mit den Fußballlampen in Serie. Die Farbstellungen variieren, und auch das Kabel gibt’s in unterschiedlichen Farben, Materialien und Längen. Um Nachschub brauchen sie sich keine Sorgen zu machen, viele Fußballvereine stellen mittlerweile ihre ausrangierten Lederbälle zur Verfügung. Aus den Sechsecken, die übrig bleiben, werden flache Schlüsselschalen oder einzelne Schlüsselanhänger gefertigt. So wird jeder Fußball komplett verwertet. Clever, was?

Das Thema Nachhaltigkeit bzw. Ex-und-hopp-Konsum-ist-nicht-unser-Ding liegt nicht nur im Trend, sondern den Karolchicks (die eigentlich mit Nachnamen Karolczyk heißen) wirklich auf der Seele. Und so ist eigentlich alles, was sie entwerfen, aus Materialien entstanden, die bereits vorhanden oder gebraucht sind und die sonst weggeworfen würden.

Karolchicks

Mit alten Kaffeesäcken zum Beispiel kann kein Mensch was anfangen. Katzen aber schon, sie lieben den Geruch und die Beschaffenheit von Kaffeesäcken! Das stellten Katarzyna und Maciej fest, als ihre Kugelkissen, die sie eigentlich für besagte Eisdiele als riesiges Erwachsenenbällchenbad produziert hatten, ruckzuck von ihrer Katze mit Beschlag belegt wurden. In so eine noch nicht fertig genähte Kugel ist die Katze eines Tages reingekrabbelt … ach guck … wie süß … da müsste man doch was draus machen können … hm hm … grübelgrübel … na klar, daraus machen wir Katzenkörbchen! Und damit war der Grundstein für das gelegt, was mittlerweile das Label „Katzenkugel“ ausmacht.

Karolchicks

Lecker Baldrianfischli 🙂

Die zwei aktuellen Cheftester wohnen seit kurzer Zeit mit im Studio: Oczko (sprich Otschko = Äuglein) und Szalona (sprich Schalona = die Verrückte), zwei zauberhafte Katzenteenies, die von morgens bis abends die Welt erkunden und noch sehr verspielt sind. Zum Glück, denn so ein Job als Produkttester ist hart. Die Kugeln jedenfalls sind der Hit, zum einen als runde Höhle, aber auch zusammengedrückt und umgestülpt als Körbchen. Inzwischen gibt’s die nicht nur aus Kaffeesäcken, sondern auch in verschiedenen Farben aus Stoffresten und Teppichen – alles Unikate bzw. Kleinstserien.

Im Studio liegt so einiges herum, das den Stresstest noch bestehen muss, zum Beispiel eine Angel, die aus einem Trommelstock gemacht ist. Unermüdlich jagen die beiden Katzen hinter dem Filzanhänger her. Bereits in Serie sind die Baldrianfischis: aus Stoffresten genähte Fische, die mit Baldrian gefüllt sind (habe gelernt, dass Baldrian eine Art Aphrodisiakum für Katzen ist). Oder auch die Catnip-Mausis: Mäuse aus Altkleidern, die mit Katzenminze gefüllt sind, was die Katze wahlweise entpannter oder munterer macht.

Äuglein und die Verrückte jedenfalls haben einen Riesenspaß im Versuchslabor, das sie sich gnädigerweise mit Katarzyna und Maciej teilen. Letztere haben im hinteren Bereich des Studios jeweils eine abgetrennte Arbeitsecke, um in Ruhe und konzentriert zu denken, zu werben, die Produkte über den Online-Shop zu vertreiben und die Buchführung zu erledigen. Wobei Katarzyna eher für den geschäftlichen, Maciej für den kreativen Part zuständig ist.

Die beiden haben sich übrigens in Krakau kennengelernt. 2008 war Katarzyna, die seit ihrem 8. Lebensjahr in Deutschland lebte, nach Polen gezogen, um ihre Wurzeln zu suchen, schaute dann aber vor allem in die blauen Augen ihres Nachbarn Maciej, der in Krakau Produktdesign studierte. Ein Jahr später haben sie geheiratet und sind bald darauf nach Bochum gezogen. Hier betreiben sie nun gemeinsam dieses wirklich superschöne Atelier im Hinterhof einer ehemaligen Pantoffelfabrik, das sich die beiden peu à peu nach ihren eigenen Vorstellungen umgebaut haben. Atmosphärisch so kreativ, so locker und sympathisch, dass man fast einziehen möchte. Ein gemütliches Sofa ist jedenfalls schon da, und wie wichtig das ist, habe ich ja schonmal ausführlich beschrieben, und zwar hier.

Aber warum Bochum? Katarzyna, die in Mönchengladbach Textil- und Bekleidungsmanagement studiert hat, gesteht: „Ich kannte Bochum nur vom Nachtleben her, vom Feiern, das war total okay. Wir hatten hier Freunde, und die Mieten sind günstig.“ Und etwas leiser gesteht sie: „Das war ganz was anderes, Bochum im Hellen zu sehen. Ich fand’s hier am Anfang ganz schlimm.“ Oh, aaaah ja, und dann? „Jetzt find ich’s super“, lacht sie, und Maciej nickt fröhlich dazu.

Karolchicks

Diesen Stuhl haben die Karolchicks aus einer alten Plastiktonne gebaut!

Und wie geht’s weiter? Eins nach dem anderen. Jetzt kommt erstmal Weihnachten, das ist stressig. Und dann immer weiter neue Produkte entwickeln. Für Katzen. Und später dann auch für Hunde. Da freu ich mich schon sehr drauf!

Karolchicks

Karolchicks

2 Kommentare

  1. Lena Wallmann sagt

    Gibt es nur Fußballlampen? Upgecycelte Basketbälle oder Medizinbälle könnte ich mir auch gut vorstellen.

    • Bettina sagt

      Super Idee, liebe Lena! Werde ich mal so weitergeben 🙂

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