Kreative Köpfe
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Kreative Köpfe: Prinzträger aus Bochum

Prinzträger

DIE RAUMPFLEGERINNEN

„Manchmal gehen wir zum Brainstormen in den Baumarkt. Da finden wir dann so Pinoreks wie diese hier.“ Lachend halten Marie Träger und Larissa Prinz kleine Kreuzchen aus Plastik in die Luft. Zusammen sind die beiden Frohnaturen die Bochumer Agentur Prinzträger, die sich auf Rauminszenierungen und Design spezialisiert hat.

Rauminszenierung – tolles Wort. Und was ist das genau? „Die Frage hören wir immer wieder“, antwortet Marie. „Wir kommen ursprünglich aus dem Kommunikationsdesign, aber mit der Studienrichtung Objekt- und Raumdesign, also immer schon mit der Richtung, die Gestaltung in den Raum hinein zu denken.“ Aha! Also sowas wie Innenarchitektur? „Nee“, erklärt Larissa, „das ist zwar schon artverwandt und es gibt auch Überschneidungen, aber als Designer sind wir vor allem Gestalter und Entwerfer, während Innenarchitekten ja auch bauliches Zeug machen.“

Den Spaß an Raumgestaltung und nicht zuletzt den Spaß aneinander entdeckten Marie und Larissa im gemeinsamen Studium in verschiedenen freien Projekten. Schnell war klar: Wir machen uns selbstständig. Marie: „Wir haben uns entschieden, zusammen eine Firma zu gründen und zusammen Geld zu verdienen, da muss man sich schon sehr gut verstehen.“ Das finde ich allerdings auch, schließlich sitzen die beiden jeden Tag in einem Raum, haben sicherlich auch mal verschiedene Meinungen oder schlechte Laune …

Prinzträger

„Gestalterisch sind wir nicht immer einer Meinung“, so Larissa, „aber wir sind sehr viel im Gespräch, alles wird ausdiskutiert, und wir können uns gegenseitig auch was gönnen. Wir sind nicht böse, wenn sich der Vorschlag der anderen durchsetzt.“ Marie ergänzt: „Die eine denkt immer die Ideen der anderen mit, von Anfang an bis zum Ende. Wir wissen, was wir aneinander haben. Wir sind eng befreundet und arbeiten zusammen und haben es geschafft, uns nicht das eine vom anderen kaputtmachen zu lassen.“ Und mit zärtlichem Blick feixt sie rüber zu Larissa: „Ich will die nicht missen.“

Prinzträger

Achtung, die Tischdecke ist ein Fake! Aber die Kekse waren echt.

So viel Harmonie, ist das schön! Auch das Büro der beiden in Bochum-Hamme strahlt positive Energie aus. Die beiden sitzen sich an zwei großen Schreibtischen gegenüber. Dahinter eine riesige mit Magnetfarbe gestrichene Wand, an der Pläne, Ideenskizzen, Fotos und Notizen pappen. In Einbauschränken lagert eine Sammlung von allerlei Utensilien (also Pinoreks unterschiedlichster Form), Bastelkram, Pinseln und Stiften. Alles unheimlich ordentlich sortiert übrigens!

Bang Bang Burger

Bang Bang Burger in Gelsenkirchen, Foto: Stefan Tuschy

Apropos ordentlich, in diesem Job ist es sehr wichtig, strukturiert zu arbeiten, sonst verliert man schnell den Überblick. Wie sie vorgehen, erklären Larissa und Marie am Beispiel eines jüngst beendeten Projekts: „Bang Bang Burgers and Beer“ in Gelsenkirchen. Bevor überhaupt was passiert, begeben sich die Raumdesignerinnen erstmal an den Ort des Geschehens und gucken sich alles in Ruhe an. So auch in Gelsenkirchen. Früher befand sich dort ein mexikanisches Restaurant, aber Larissa und Marie hatten genug Fantasie, sich davon frei zu machen und den Raum völlig neu zu denken. Natürlich in Zusammenarbeit mit dem Kunden. Also traf man sich zu einem ersten Workshop, tauschte sich über Vorstellungen und Ideen aus, stellte viele viele Fragen und sammelte Moods, also Bilder, die einem gefallen, die einen inspirieren und die für eine Idee stehen. Gemeinsam tasteten sich die Beteiligten auf diese Weise an eine Grundidee heran.
Im Fall der Burgerschmiede kristallisierte sich bald heraus, dass der Look insgesamt eher dunkel werden und einen gewissen Industrie-Charme, aber auch urbanes Flair versprühen sollte. Nach diesem ersten Treffen warfen sich die beiden mit vollem Einsatz in die Entwurfsphase, d.h. sie entwickelten weitere Ideen, suchten Inspirationen (ja, auch im Baumarkt!), recherchierten und experimentierten und präsentierten schließlich das Ergebnis in einem Schulterblick dem Kunden. Im nächsten Schritt ging’s ans Eingemachte, an die Details. Im Falle der Burger Bar hieß das: hohe Betondecken, glattgeputzte, dunkelgraue Wände, Tische aus Vintage-Holz, bequeme Stühle, eine lange Tafel quer durch den gesamten Gastraum, ein Beleuchtungssystem aus Fabriklampen, verschiedene Do-It-Yourself-Details. Insgesamt atmosphärisch total stimmig, so als wäre nie was anderes dagewesen. Kein Wunder, dass der Laden brummt!

Prinzträger urban urtyp

urban urtyp: Für die Veranstaltungsreihe in der Bochumer Christuskirche entwickelten Prinzträger einen temporären Kubus aus durchsichtigen PVC-Lamellen. Foto: Stefan Tuschy

„Wir sind eng befreundet und arbeiten zusammen und haben es geschafft, uns nicht das eine vom anderen kaputtmachen zu lassen“

Ist das nicht irre teuer, Prinzträger zu engagieren? Wie man’s nimmt. „Den Leuten ist oft nicht ganz klar, welcher Aufwand hinter unserer Arbeit steckt“, bedauert Marie. Daher legen die beiden großen Wert auf ein vernünftiges und ausführliches Erstgespräch, auf dessen Grundlage sie dann ein sehr detailliertes Angebot erstellen, damit der Kunde besser nachvollziehen kann, wo die ganze Arbeit im Detail steckt. Bei einem größeren Bauvolumen sind die Designerinnen übrigens gewiss nicht der größte Kostenfaktor. Und überhaupt, Larissa bringt es auf den Punkt: „Wir schaffen ja einen Wert, mit dem der Kunde dann was verdient. Auf Englisch hat mal jemand klug formuliert: Design is an investment, not a cost.“

Prinzträger

Sommer am U: Strandfeeling pur … Foto: Stefan Tuschy

Den Wert ihrer Arbeit wissen inzwischen immer mehr Firmen zu schätzen, es hat sich rumgesprochen, dass es sich lohnt, die beiden zu buchen, insbesondere für Events. Für ein kleines Kulturfestival in Bochum zum Beispiel haben die beiden mal eine Inszenierung entwickelt, die ein klassisches schilderbasiertes Leitsystem ersetzen sollte. Vom Kunden gefragt war „was Cooleres, ein bisschen was Guerillamäßiges“. Also brainstormten die Damen, und heraus kam eine Inszenierung mit ein paar Dutzend Perserteppichen aus einem Billigheimer-Teppichladen. Sie wurden mit quietschorangenen Neon-Pfeilen besprüht, die sich immer weiter verdichteten und schließlich zum Ort des Geschehens führten.

Prinzträger

Modularer Messestand für den Verein „Viertel vor Ehrenfeld“, Foto: Stefan Tuschy

Ein anderer (und größerer) Ort des Geschehens war im Sommer 14 und 15 der Platz vor dem Dortmunder U, an dem zweimal wöchentlich Events stattfinden und eine kleine Gastronomie installiert werden sollte. Erinnert ihr euch? Dort waren temporäre Sitzlandschaften aus Euro-Paletten aufgebaut. Die Herausforderung: Der Platz ist groß, leer, schattig und zugig, von „Aufenthaltsqualität“ kann da kaum die Rede sein. Hinzu kamen Anforderungen wie „muss auch mal nass werden können“, „muss unkaputtbar sein“, „muss leicht auf- und abräumbar sein“. Wenn’s weiter nix ist! Bei soviel Vorgaben blieb den beiden fast nichts anderes übrig, als mit einem Augenzwinkern an die Aufgabe heranzugehen.
Marie und Larissa haben erst einmal überlegt, was eigentlich einen Ort ausmacht, an dem es so richtig schön sonnig und warm ist und an dem die Menschen sich gerne aufhalten, und haben genau das dann am U umgesetzt. Ergebnis: rudimentäre Strommasten mit Lichterketten begrenzten den Raum, und auf die Paletten kamen im Sommer 2014 alte Teppichläufer. Das grenzte schon an Gemütlichkeit! Im vergangenen Sommer durften die zwei am U ihre Lust an ungewöhnlichen Materialien ausleben. Die Designerinnen wollten nicht die üblichen Materialien aus der Dekorationswelt verwenden, sondern griffen – Baumarkterfahrung sei dank – beherzt zu Verbundschäumen, Styrodurplatten und Gummigranulaten – allerdings durchweg in Bonbonfarben. Das Resultat war in beiden Jahren ein Ort, der in sich geschlossen und stimmig wirkte und ruckzuck zum Szenetreffpunkt avancierte.

Häufig geht es bei den Aufträgen von Prinzträger auch nur um die Inszenierung eines einzelnen Events. So hat z. B. die Zukunftsakademie die beiden mal gebucht, um einer Tagung in einem alten Kneipensaal in Duisburg-Marxloh eine ganz bestimmte Atmosphäre zu verleihen. Die Veranstaltung hieß „Multiple Memories – Erinnerungsstrukturen der Migration“. „Wir konnten in diesem Raum nichts installieren, was von Dauer war oder gar die Wände beschädigt hätte. Wir haben dann – sinnbildlich für die ganzen Erinnerungen, die im Raum über der Diskussion schwebten – 100 Ballons in M-Form, alle chromglänzend, aufgehängt. Die Leute haben sofort gesehen, hey, hier passiert was, das zu uns passt. Am Ende der Veranstaltung haben die Teilnehmer die Ballons steigen lassen. Das ist ein schönes Beispiel dafür, wie man einen schon existierenden Raum nicht grundlegend verändert, und trotzdem nimmt die Veranstaltung den Raum ein und prägt ihn“, erklärt Larissa.

Prinzträger

Auch Unternehmen gehen bei der Gestaltung ihrer Innenräume mehr und mehr dazu über, nicht einfach Büromöbel aus dem Katalog zu bestellen, sondern ihre Räumlichkeiten zu inszenieren, um das Image der Firma nach innen und nach außen zu transportieren. Momentan arbeiten Marie und Larissa für eine Informatikfirma: „Es geht nicht nur um Schreibtische, sondern ums Konzept, welche Farbe bekommt der Boden, wie gehen wir mit der Decke um, welches Lichtkonzept könnte passen etc.“, so Marie. Gerade junge Firmen möchten häufig ihr Image in den Raum transportieren, denn die Kunden sollen gleich den Spirit des Unternehmens spüren, und auch die Mitarbeiter sind in gestalteten Räumen motivierter bei der Arbeit. Sinn der Sache: „Man kommt rein und es macht Spaß“. Besser hätte ich übrigens meinen Besuch bei Marie und Larissa nicht zusammenfassen können!

Prinzträger

Bei Prinzträgers auf dem Hof: Der nächste Sommer kommt bestimmt.

Hier klickt ihr euch auf die Website von Prinzträger. Dort werden noch viele weitere schöne Projekte vorgestellt.

Die tollen Fotos von den Locations hat Stefan Tuschy gemacht. Hier geht’s zu seiner Website.

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  4. So viele Nettigkeiten! Danke, Larissa für dein Feedback und nochmal ein großes Danke an Bettina für diesen tollen Artikel und deinen sehr netten Besuch.

  5. Larissa Papendieck sagt

    So ein cooler Beruf und was die draufhaben! Bang- Bang Burger in Ge kenne ich, da habe ich mich sofort total wohlgefühlt. Klasse, dass ich hier noch mehr von den Beiden sehen konnte. Der Blog hier ist übrigens auch sehr cool!

    • Bettina sagt

      Danke für das Kompliment, liebe Larissa 🙂
      Und freut mich, wenn’s dir bei Bang Bang Burger gefallen hat, ich will da auch unbedingt mal hin! LG Bettina

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