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Shop Girls – 28 Frauen und ihr Traum vom eigenen Laden

Shop Girls CoverDu kaufst gerne in Concept-Stores und anderen kleinen, originellen Läden ein? Und überhaupt, eigentlich hättest du am liebsten selber einen? Oder bist du schon einen Schritt weiter und planst die Eröffnung? In allen drei Fällen ist „Shop Girls“ genau das Richtige für dich. Hier ein kleiner Einblick in das Buch mit ganz viel Lob und am Ende ein bisschen Kritik.

Der Traum vom eigenen Laden ist letztlich das, was die 28 Frauen, die hier mit ihren Geschäften vorgestellt werden, angetrieben hat. Viele haben lange gewartet, ihre Chance gesucht und genutzt, einen sicheren Job hingeschmissen, schlaflose Nächte verbracht und mit der Idee gehadert, Gründungsseminare besucht, Businesspläne geschrieben, Kredite aufgenommen, monatelang renoviert und sich die Nerven blank gescheuert. Bis schließlich das Sortiment stand und der Laden seine Pforten öffnete.

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„Schoscha“ heißt der Laden von Sonja Messing in einer alten Villa in Bregenz direkt am Bodensee. Hier verkauft sie ausgesuchte Möbel und Stoffe, Mode, Papeterie und Literatur. Ein Träumchen, oder?

Die Autorin Tina Schneider-Rading hat sich gemeinsam mit der Fotografin Ulrike Schacht auf den Weg durch Deutschland, Österreich und die Schweiz gemacht und die Frauen in ihren Läden besucht: überwiegend Concept-Stores und Interior-Shops, aber auch ein Blumen-, ein Klamotten-, ein Feinkost-, ein Kindermode-, ein Buch- und sogar ein Trachtenladen. Und es ist kein einziger dabei, den man verlassen würde, ohne etwas zu kaufen! Das Buch „Shop Girls„* ist also vergleichsweise die kostengünstigere Alternative und mit 29,95 Euro jeden Cent wert.

Viele viele gute Fotos zeigen eine bunte Welt voller schöner Dinge: Die Läden sind durchweg perfekt gestaltet, in tollen Räumlichkeiten, geschmackvoll dekoriert. Im Geiste bin ich beim Lesen durch jeden einzelnen durchgelaufen, habe mich eine Ecke gesetzt und die Räume auf mich wirken lassen, das ein oder andere schöne Teil in die Hand genommen und mit den Inhaberinnen geplaudert. Letzteres hat die Autorin ausgiebig getan – zum Glück! Denn die Texte offenbaren zwar, wie viel Herzblut in so einem Laden steckt, aber auch die Hürden auf dem Weg dorthin und die Schwierigkeiten, ihn am Laufen zu halten. Und erst das ganze Gedöns mit Wareneinkauf, Schaufenstergestaltung, Versicherungen, Krediten, Marketing, Umgang mit Kunden und – Hilfe! – Buchhaltung!

Einige haben bei der Gründung die Hilfe von IHKs und Wirtschaftsförderungen in Anspruch genommen. Im Serviceteil am Ende des Buches sprechen die Frauen offen über all die Herausforderungen und Erfahrungen als Gründerin, eine Unternehmensberaterin steuert im Interview Tipps bei, und eine Marketingexpertin verrät Gestaltungstricks.

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Selbst gestalteten Schmuck verkaufen Coco Turtureanu und Lily Sielaff in ihrem „Jewelberry“-Laden im Hamburger Schanzenviertel. Die Birkenstämme sind übrigens echt und stehen ebenso wie die Vintagestücke der Einrichtung für das Bekenntnis der Besitzerinnen zur Nachhaltigkeit.

Insgesamt wirklich ein inspirierendes Buch, aber – stöööööhn!!! – der Titel! Shop Girls!* Das ist ein Buch über 28 Frauen – nicht Fräulein, nicht Mädels und schon gar keine Girls –, die sich mit einem Laden selbstständig gemacht haben. Ein Beispiel: Eine 54-jährige Frau betreibt in Bregenz in einer Villa einen Interiorladen (s. Foto „Schoscha“). Zuvor hat sie vier Kinder großgezogen, alle möglichen Jobs gemacht, den Tod ihres Lebensgefährten und einen Burnout durchgestanden, bis sie schließlich unter Aufbietung ihrer ganzen Kräfte ein Geschäft eröffnete. Und die wird hier nun als „Shop Girl“ präsentiert, als Ladenmädchen. Ernsthaft? Und nicht nur sie, auch die anderen Frauen, viele von ihnen so um die 30 und älter, sind sicherlich keine Girls (mehr). Sondern im besten Sinne des Wortes Geschäftsfrauen, und so sollte man sie auch nennen. Was soll diese Verniedlichung von Frauen als Girls? Vermutlich stecken dahinter Marketinggründe, zuvor gab es nämlich schon ein Buch über Frauen, die Cafés betreiben, das hieß „Sugar Girls“ (Zuckermädchen). Autsch! Leute, wir haben 2017, kopfschüttel …

Aber ich will hier nicht nur meckern, sondern lieber ein Beispiel liefern, dass es auch anders geht: Grace Bonney, Gründerin des wunderbaren Blogs „Design Sponge“ (einer der größten Interiorblogs und mein liebster überhaupt), hat letztens ein Buch mit rund 100 Porträts von selbstständigen Frauen in der Kreativbranche herausgegeben. Es heißt „In the Company of Women“ * und ist ein absoluter Bestseller. Geht doch!

Zum Schluss noch was sozusagen in eigener Sache: Um das Ruhrgebiet wird in dem Buch ein großer Bogen gemacht (nochmal kopfschüttel …). Ganz anders hier auf LIVING.RUHR! Ich hab ja schon mehrere Frauen in ihren Läden besucht, zum Beispiel Petra bei Frollein (!) Fritz, Sandra bei 3 ZKB und Susanne in ihrer Kulturtasche. Weitere sollen folgen, und ich freue mich sehr über Tipps hier in den Kommentaren oder per Mail an bettina@living.ruhr! (übrigens auch zu Läden von Männern, pardon, Shop Boys)

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Steffi Marthold hat sich ihre Selbstständigkeit zu ihrem 30. Geburtstag geschenkt. In ihrem Concept Store „Edi M.“ in Nürnberg lebt sie ihr Credo: „Ich rate jeder Frau mit dem Traum vom eigenen Laden: Erfüll ihn dir.“

Copyright alle Fotos: Ulrike Schacht / Callwey Verlag
*Affiliate Link

15 Kommentare

  1. Das Ruhrgebiet hat so viele tolle Shops die vielfach von Frauen geführt sind. Leider Verschwinden gerade ganz viele davon – vor allem im Esoterik – Indie – Yuppie Segment.

  2. Tolle Buchtipps. Vielen Dank. Da weiss ich was auf meine Wunschliste kommt…. Kleiner Ladentipp im Ruhrgebiet?! Kreativothek AtelierLaden in Sprockhövel. Wir bieten nur Unikat. Genäht. Gefilzt. Gemalt. … Bieten Mal Nähe Filzkurse für Grosse und Kleine an. Feiern kreative Kindergeburtstage. Bieten Ferienspass und in unserer kleinen Werbeagentur habe ich viel Kontakt zu Frauen die sich Selbstständig machen und tolle Ideen haben. Übrigens auch Männer…. Hatte auch schonmal darüber nachgedacht diese tollen Geschäftsideen zusammenzufassen…. vielleicht hast Du ja Lust. Mich mal zu besuchen. Freue mich sehr. LG Alex aus der Kreativothek

  3. Nicola Fink sagt

    Hallo Bettina,
    absolut berechtigte Kritik in deinem Blog, den ich übrigens toll finde. Schöne Ideen, Inspirationen und interessante Personalien 🙂 Und du schaffst den Spagat, dass man sich ja trotzdem für das Buch interessiert. Ich besonders für das darin vorgestellte Blumengeschäft, weil ich viel mit Floristen zu tun habe. Die sind ja bekanntlich auch sehr an Trends und Interieur interessiert. Deshalb finde ich immer mal wieder was zu verlinken bei dir. Weiter so 🙂
    Herzliche Grüße
    Nicola Fink

    • Bettina sagt

      Danke für so viel Lob, liebe Nicola! Schöne Blumenläden sind bei uns ja leider Mangelware, ich bin in Holland immer ganz hin und weg von den tollen Geschäften dort. Oder kennst du einen richtig schönen im Ruhrgebiet?
      Liebe Grüße
      Bettina

    • Bettina sagt

      Stimmt, hast recht! Sollte ich machen!

  4. Kira sagt

    Huhu Bettina,
    toller Artikel von Dir und oh man das sehe ich auch so.
    Wünschen wir den „Frauen“ viele tolle Kunden und Menschen, die es als richtige Maloche ansehen und es schätzen, was sie auf die Beine gestellt haben!!

    Viele Grüße

    • Bettina sagt

      Danke, liebe Kira! Und hab viel Erfolg mit wasnettes.com!!!

  5. Ute Schulte sagt

    Vielleicht hast du mal Lust mich in meinem Laden zu besuchen, er ist in Schwerte an der Ruhr in einer wunderschönen Jugendstilvilla. Raumausstattung Koke in der Villa Sohlenkamp und ich bin auch kein „Girl“ mehr 😉 Liebe Grüße von Ute

    • Bettina sagt

      Wow, liebe Ute, auch so eine tolle Location (hab dich natürlich sofort gegoogelt)! Gehört Schwerte eigentlich noch zum Ruhrgebiet? Frag ich mich gerade und bin unsicher, aber im Zweifelsfall ja, oder? Jedenfalls herzliche Grüße, Bettina

    • ute schulte sagt

      Liebe Bettina, habe jetzt erst deine Antwort gelesen, sorry.
      Na klar liegt Schwerte an der Ruhr, die Ruhr fliesst fast durch die Stadt und der Ruhrtalradweg geht auch durch Schwerte, also höchste Zeit dass du Schwerte mal einen Besuch abstattest. Liebe Grüße Ute

  6. Antje Steffens sagt

    Liebe Bettina,
    toller Artikel und du hast so recht mit deiner Kritik. Danke!

  7. Geli Dreier sagt

    Liebe Bettina,

    danke für den Buchtipp- er war inspirierend, wie immer. Sollte ich einmal in die Gegend eines dieser Geschäfte kommen, so werde ich sicher vorbeischauen. Noch mehr „danke“ aber auch für Deine berechtigte Kritik: Mir geht diese neue Verniedlichung von Frauen und auch von Männern so dermaßen auf den Keks! Du hast mir aus der Seele gesprochen.

    • Bettina sagt

      Danke, liebe Geli, das tut gut, dass ich nicht die Einzige bin, die das so empfindet. Herzliche Grüße, Bettina, das Blog Girl 😉

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