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sPOTTlight: Mareike und Andrea im Interview

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Mareike (l.) und Andrea

Unser liebstes Stilmittel ist der Stilbruch

Tadaa, bäm! Ein neuer Stern leuchtet hell am regionalen Zeitschriftenmarkt. Mareike Fangmann (24) und Andrea Weber (19), die Macherinnen des ersten Ruhrgebiets-Modemagazins „sPOTTlight“, sind so voller ansteckender Begeisterung, Ideen und Zuversicht, dass eigentlich nix schiefgehen kann. Denn die beiden bringen außer den genannten Tugenden auch noch eine gehörige Portion Professionalität mit. Und unendlich viel jugendlichen Schwung! Sympathisch und charmant sind sie obendrein. Was für eine Freude, dass mich die beiden auf ein Tässchen Tee und Streuselkuchen besucht und gutgelaunt meine Fragen beantwortet haben. Unterm Strich hab ich an diesem Nachmittag richtig viel gelernt: über Trends, über das Ruhrgebiet, über Pottlinge, über Klischees, über Stil, über Jogginghosen und überhaupt …

 

Living.Ruhr: Wie seid ihr auf die verrückte Idee gekommen, ein Printmagazin auf den kränkelnden Zeitschriftenmarkt zu werfen?
Mareike: Ich habe in Dortmund Journalistik studiert und ein Volontariat bei der WAZ gemacht. Mir war früh klar: Ich will in den Magazin-Journalismus. Im letzten Sommer war ich in Hamburg in der Moderedaktion der Gala. Das hat Spaß gemacht, aber ehrlich gesagt wollte ich nicht in Hamburg bleiben und auch nicht nach München, Berlin oder so. Ich bin nun mal ins Ruhrgebiet verliebt, seit ich zum Studieren hier her kam und am Dortmunder Bahnhof ausstieg. Also blieb mir eigentlich nichts anderes übrig, als selbst ein Magazin herauszubringen.

Living.Ruhr: Wie habt ihr euch kennengelernt?
Andrea: Mareike ist mit meinem Bruder zusammen. Als sie vor vier Jahren zum erstem Mal zu uns nach Hause kam, war ich 15 und saß auf dem Sofa über meinen Schulaufgaben. Ich hab sie direkt ausgequetscht, was sie macht und fand das ganz toll. Ich bin selber auch total modebegeistert, schreibe gerne und studiere jetzt Literatur- und Kulturwissenschaften in Dortmund.

Living.Ruhr: Und wie ging’s dann los?
Mareike: Wir haben im Dezember 2014 erstmal mit einem Blog angefangen, um rauszufinden, welche Themen uns selber inspirieren und was die Leser interessiert. Der Blog lief von Anfang super, wir hatten durchweg positive Resonanz.

Living.Ruhr: Modeblogs gibt’s doch wie Sand am Meer, oder?
Andrea: Ja genau, und deswegen ist unser Ansatz, dass wir den besonderen Stil des Ruhrgebiets als Hauptthema haben.

Living.Ruhr: Aha! Kann man sagen, dass das Ruhrgebiet einen eigenen Stil hat?
Andrea und Mareike: Ja, auf jeden Fall! Wenn man das Klischee nimmt, dass in München alle schickimicki sind und in Berlin alle Hipster, dann ist unser Stil im Ruhrgebiet halt besonders lässig, sportlich und vor allem nicht überteuert. Wir müssen nicht in Louis Vuitton durch die Gegend laufen …

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Living.Ruhr: Hinken wir hier den Trends hinterher?
Mareike: Nee, wir machen hier unsere eigenen Trends. Ich finde, wir sind hier individueller unterwegs als in anderen Städten.
Andrea: Wir sind einfach viel einfallsreicher! Wir tragen selbst Jogginghosen nicht schlecht gestylt, sondern richtig gut gemacht, ganz lässig. Sogar auf Events, dann halt mit Stilettos und einer coolen Bluse drauf, das sieht toll aus!

Living.Ruhr: Und was ist sonst noch Trend im Pott?
Andrea: Was noch eine Weile bleibt, sind destroyed Jeans mit offenen Stellen bzw. mit Patches.
Mareike: Auch lange Mäntel sind im Trend, je länger, desto besser, auch bis zum Boden, gerne mit Sneakern dazu. Ob eng oder weit, hängt von der Figur ab, Hauptsache der Mantel trägt nicht auf.
Andrea: Was auch immer geht, sind Prints. Blümchen sind out, im Moment fahren die Leute total auf möglichst viele Herzchen ab.
Mareike: Kräftige Farben, zum Beispiel was Pinkes mit Blau und Weiß, viel Colour-Blocking. Auf keinen Fall mehr Pastell!
Andrea: Prints kann man auch mischen, muss aber dabei aufpassen. Leo und Karo geht, wenn’s sich nicht direkt berührt, also zum Beispiel Leo-Boots und Karobluse, das geht, da muss aber was zwischen sein.
Mareike: Allover-Prints werden auch noch eine Weile bleiben, also Ober- und Unterteil im selben Print. Naja, das sind die allgemeinen Trends, aber letztendlich machen wir im Ruhrgebiet sowieso, was wir wollen.

„Wir machen hier unsere eigenen Trends“

Living.Ruhr: Was unterscheidet denn die Frauen hier zum Beispiel von den Frauen in Berlin?
Andrea (wie aus der Pistole geschossen): Wir sind freundlicher! Und stilmäßig übertreiben die in Berlin immer. Da ist dieser Drang, aus der Masse rauszustechen, und das versuchen die dann mit allen Mitteln.
Mareike: Genau, und schließlich sehen wieder alle gleich aus. Das hat man auf der letzten Fashion Week genau gesehen: von allem zu viel.

Living.Ruhr: Woher wisst ihr so genau, welche Trends angesagt sind?
Mareike: Ich arbeite im Kleidzeit Concept Store in Dortmund. Die ordern Mode aus Paris und Italien und sind da wirklich Vorreiter. Davon ab greifen wir am liebsten Trends aus den USA auf. Wir folgen verschiedenen Blogs aus Amerika. Zwar schwappen nicht alle Trends schwappen rüber zu uns, aber wir machen eh nur die mit, die wir auch wirklich gut finden.

Living.Ruhr: Zurück zum sPOTTlight Magazin. Erzählt mal, was ist da so alles drin?
Andrea: Ganz viel! Vor allem Fashion, das nimmt den größten Teil der insgesamt 160 Seiten ein. Wir haben tolle Modestrecken dabei. Zum Beispiel haben wir Männer in Anzüge gepackt. Zweireiher sind jetzt wieder in, gerne auch in kräftigen Farben, zum Beispiel Lila.

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Living.Ruhr (mit leichtem Entsetzen in der Stimme): Lila?
Mareike: Jaaaa! So ein schönes elegantes Lila, das sieht super aus. Wir haben aber nicht nur den schicken Trend im Heft, sondern zum Beispiel auch eine Fußball-Fotostrecke mit den BVB- und Schalke-Farben. Wir haben die Fotos in Gelsenkirchen gemacht und die Fans Hand in Hand fotografiert. Wir wollten zeigen, dass man auch stylish zum Spiel gehen kann. Warum soll denn eine schöne Frau in Jeans und so einem unförmigen Trikot da hingehen? Wir haben gesagt: schwarz-gelb oder blau-weiß geht auch anders, also mit Stil. Die Looks hat eine Designerin aus Oberhausen entworfen, die übrigens auch die Kostüme für Urbanatix macht. Die Bilder sind super geworden!

Living.Ruhr: Hört sich alles nach viel Arbeit an. Habt ihr viele Mitstreiter?
Andrea: Ja, ohne würde das alles nicht funktionieren. Die Fotografin unterstützt uns, außerdem zwei Grafikerinnen. Dann die ganzen Boutiqueninhaber, die uns Sachen ausleihen. Oder auch internationale Marken, wie z. B. Puma, die uns für die Shootings Schuhe zur Verfügung stellen. Teils dürfen wir die Sachen sogar behalten, die kriegen dann die Models als „Gage“. Wir arbeiten ja nicht mit Profi-Models, sondern mit Leuten, die wir über Ecken kennen oder die wir bei Instagram entdeckt und angeschrieben haben, oder auch auf der Straße angequatscht.

„Der Stil des Ruhrgebiets ist besonders lässig, sportlich und vor allem nicht überteuert“

Living.Ruhr: Und was habt ihr sonst noch für Themen im Magazin?
Mareike: Zum Beispiel Beauty, also Kosmetikprodukte. Da stellen wir drei/vier Lieblingsprodukte vor. Wir haben einen Experten in Recklinghausen, der eine eigene Kosmetiklinie entwickelt hat und uns berät. Seine Firma heißt Rouge Cosmetics. Es ist schön, dass wir auch da einen echten Pottling mit im Boot haben!
Außerdem haben wir Kultur im Heft, z. B. einen Artikel über die Kunst-Route und über Bücher; was über Blogger aus dem Ruhrgebiet; ein Interview mit der Sängerin Lary aus Gelsenkirchen, die mit ihrem Song „So wie du bist“ (zusammen mit MoTrip) ganz erfolgreich unterwegs ist und schon verschiedene Preise gewonnen hat; ein Interview mit einem Boutiquenbesitzer. Mit allen reden wir über das Ruhrgebiet, und alle hatten Lust, mitzumachen! Und wir haben einen kleinen Event-Planner im Magazin, der die wichtigsten Veranstaltung der nächsten drei Monate zusammenfasst. All das auf coolem, wertigen Papier auf insgesamt 160 Seiten, als Wendemagazin für Frauen und Männer.

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Living.Ruhr: Lasst uns über Geld reden. Wie finanziert ihr das Heft? Habt ihr euch in Schulden gestürzt?
Andrea: Nein, wir haben von Anfang an gesagt, wir halten das Risiko gering und nehmen auch keinen Kredit auf. Im Moment sieht’s so aus, dass wir wohl über die Anzeigenkunden und den Verkauf des Magazins über unsere Website und insgesamt 5 Verkaufsstellen (s.u.) alles finanzieren können.
Mareike: Ich habe ein bisschen Erspartes ins Projekt gesteckt, aber das hält sich in Grenzen. Wir machen aber auch wirklich alles selbst. Die Magazine lagern bei mir im Keller, wir tüten sie selber ein, kleben eine Briefmarke drauf und bringen sie zur Post.

Living.Ruhr: Wenn alles läuft wie geplant, wie geht’s dann weiter? Habt ihr Ziele?
Mareike: Es wäre natürlich schön, wenn wir unsere Auflage noch steigern könnten und ganz selbstverständlich zur Zeitschriftenlandschaft hier dazu gehören würden. Aber erstmal die Erstausgabe überstehen, puh …

Also, absolut unterstützenswert! Ich freu mich, dass ich mit einem kleinen Auszug aus Blogartikeln über Lieblingsläden in unserer Region in der ersten sPOTTlight mit von der Partie bin. Und ich wünsche Mareike und Andrea gaaaaanz viel Erfolg, sie haben ihn wirklich verdient. Aber sowas von!

Hier könnt ihr sPOTTlight für 5 Euro kaufen:
Dortmund: Neue Bude, Kleidzeit, Unterhaltung Lieblingsstücke
Essen: Wohngemeinschaft
Oberhausen: Ludwiggalerie

5 Kommentare

  1. Ute Freter sagt

    Hallo Mareike, hallo Andrea,

    habe über Checkpott von Eurem Magazin gelesen und finde es ganz toll, so ein Magazin zu launchen. Ich bin vielleicht nicht ganz Euer Alterssegment, aber Mode usw. und dann noch aus dem Pott, ist genau mein Ding. Deswegen habe ich Euer Magazin auch sofort bestellt. Ich bin schon ganz gespannt und wünsche Euch ganz viel Erfolg.

    • Bettina sagt

      Liebe Ute,
      sehe ich genau so wie du! Und wen stört schon das Alter, pffft … 😉
      Herzlich, Bettina

    • Vielen lieben Dank für die tollen Worte! Und unser Magazin ist für alle Pott- und Mode-Liebhaber, da spielt das Alter keine Rolle 😉 Wir freuen uns über deinen Support!!!

  2. Ein riesen Respekt, so ein Print-Magazin auf den Markt zu bringen, und die Konzeption – finde ich – ist gut!!! Ich wünsche euch – Mareike und Andrea alles Gute und viel Erfolg!!!

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