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#Wohnen wie’s im Buche steht: Urban Gardening

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Homegrown

Frühling im Ruhrgebiet! Überall knospt und sprießt es, man kann den Tulpen quasi beim Wachsen zugucken, ein zarter Duft weht hier und da durch die Luft. Hach! Und zack juckt es uns Stadtmenschen in den Fingern: Lange Schlangen an den Kassen der Gartencenter sprechen Bände.

Doch immer nur Geranien und Petunien sind langweilig, sie sehen hübsch aus, sind aber nutzlos, denn man kann sie nicht essen. Ganz im Gegensatz zu Obst und Gemüse! Und wie soll das beschaffen sein? Richtig: saisonal, regional und bio. Für Städter von heute gibt’s da nur eine Lösung – Urban Gardening. Der Trend ist nicht neu, aber durchaus noch ausbaufähig, auch in unserer schönen Region.

Es muss ja nicht gleich ein 400-Quadratmeter-Öko-Schrebergarten sein. Platz ist auch im kleinsten Potte für ein sprießendes Gewächs! Wie man das macht, steht in dem Buch „Urban Gardening – Gemüse anbauen auf kleinstem Raum“ aus dem Knesebeck Verlag. Die Autorin Lia Leendertz ist Engländerin und Gartenjournalistin. Auf 160 Seiten zeigt die Fachfrau, wie vielfältig die Möglichkeiten sind, selbst mit einem Außenraumangebot von quasi Null einen beachtlichen Ertrag zu ernten.

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Steigt euch doch mal aufs Dach, vielleicht ist da ja Platz für ein kleines Gewächshaus …

Also, nicht lamentieren, wenn ihr keinen eignen Garten habt, sondern stracks losziehen und einen Minigarten irgendwo draußen anlegen, in Töpfen auf Treppen, Balkonen oder sogar Dächern. Frei nach dem Motto: Wenn das Leben dir Zitronen gibt, nimm die Kerne und pflanze sie ein! Der Aufwand ist minimal (im Vergleich zum Schrebergarten), aber der Nutzen ist enorm (frischer Salat aus eigener Ernte!). Außerdem lernt man schnell Gleichgesinnte in der Nachbarschaft kennen und ruckzuck könnte ein gemeinsames Gartenprojekt entstehen oder zumindest ein Grillabend auf dem Bürgersteig …

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Solche Plant Locks dienen nicht nur als Blumenkübel, sondern auch als Fahrradständer. Tolle Idee!

Die Urform des Urban Gardenings ist ja eigentlich der Basilikumtopf auf der Fensterbank. Profis können da nur müde drüber lächeln, denn sie verfügen über einen ganzen urbanen Kräutergarten, zum Beispiel in einer Schubkarre: Man schiebt sie einfach dahin, wo gerade die Sonne scheint bzw. wo der Grill steht. Rosmarin, Thymian und Konsorten sind so immer griffbereit. Und wenn man in Urlaub fährt, bewegt man die Karre einfach rüber zum Nachbarn. Ein Mehrzweckwunder!

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Mobil und immer an der Sonne: Schubkarre mit Kräutern.

Dieses Buch ist eine gelungene Mischung: zum einen aus originellen und inspirierenden Beispielen, zum anderen aus praktischen Tipps. Lia Leendertz stellt verschiedene sympathische Menschen vor, die mit Leidenschaft Urban Gardening praktizieren. Die Pflücksalate in Balkonkästen halten, umgeben von Ringelblumen und Männertreu. Die ein Heer von Blumentöpfen mit Obst und Gemüse oben auf ihrem Haus haben. Die auf dem Dach ein Gewächshaus gebaut haben. Die Tomatenpflanzen in alten Gummistiefeln ziehen (sieht übrigens super aus!). Die Kräuter in alten, verbeulten Wasserkesseln anbauen. Die einen hängenden Salatgarten in Kugelform angelegt haben. Die auf der Fensterbank Sprossen züchten. Die auf einem Hausboot mitten in London einen schwimmenden Obstgarten geschaffen haben. Und und und!

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Ganz einfach: Blumen- und Kräutertöpfe auf der Eingangstreppe.

Spannend auch die Gemeinschaftsprojekte. Da wird ein Gartenprojekt mit Stadtkindern initiiert, die spielerisch lernen, dass die Gurke auf dem Teller mal ein Samenkörnchen war, dann ein zarter Trieb mit Blättern und Blüten, zuerst ganz klein war und Wasser und Licht brauchte, um zu einer stattlichen Salatgurke zu werden. Für die Kinder ein tolles Erfolgserlebnis – ebenso wie die Erfahrung, dass Rhabarber auch prima in alten Autoreifen wächst!
Da werden in einem Gemeinschaftsgarten im Londoner Stadtteil Islington begrünte Fahrradständer aufgestellt, sogenannte Plant Locks. Das sind große Gefäße, die mit Blumen, Obst, Gemüse und Kräutern bepflanzt werden und an deren Henkel Fahrräder befestigt werden können. Damit werden gleich zwei Probleme auf einen Streich gelöst: Betonwüste und Fahrraddiebstahl (denn die rund 75 Kilo schweren Teile schleppt keiner mal eben weg). Und und und!

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Upcyling für Autoreifen: super als Kübel zum Beispiel für Rhabarber.

Die alle paar Seiten eingestreuten Tipps für Anfänger und Fortgeschrittene sind wirklich hilfreich: Pflanzen richtig stützen und stutzen, einen Hängekorb mit Erdbeeren bepflanzen, auf besonders engem Raum Gemüse anbauen, das nach oben wächst (Gurken, Bohnen), Sonnen- (Tomaten) und Schattenpflanzen (Rhabarber, Radieschen), Unterpflanzung von Obstbäumchen (mit Minze, denn die vertreibt lästige Schädlinge und lockt Bienen an), richtig düngen und und und!

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Kostet und wiegt nicht viel und zieht immer mit um: ein Gewächshaus aus Plastikfolie.

Abgerundet wird das wirklich gute Buch mit einer Adress- und Linkliste, mit der man bei Bedarf noch tiefer ins Thema einsteigen kann. Prädikat: lesenswert!
So, und nun ab mit euch ins nächste Gartencenter! Ich jedenfalls verbringe das sonnige Wochenende überwiegend draußen mit den Fingern im Beet 🙂

alle Fotos in diesem Artikel: Copyright Mark Diacono / Knesebeck Verlag

Wenn ihr wollt, könnt ihr das Buch für 19,90 Euro kaufen, zum Beispiel in der Buchhandlung eures Vertrauens oder ganz fix bei Amazon.
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