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Wohnblogger und ihre Bücher (Teil I)

Drei bunte Bücher von Wohnbloggern

Auf die Gefahr, dass ich mich hier als hoffnungslos oldschool oute: Ich steh total auf Bücher. Insbesondere auf Bildbände. Insbesondere über Interiors. Auch wenn man dieselben Inhalte kostenlos im Netz findet, es ist einfach schöner, es sich mit einem liebevoll gestalteten Buch auf dem Sofa gemütlich zu machen als mit dem mobilen Endgerät. So ein Coffee-Table-Book ist was Feines, es hat Gewicht, fühlt sich gut an und riecht sogar lecker, finde ich.

Aber bevor ich ins Pathetische abdrifte, komm ich mal lieber zum Punkt. Eines Tages – und da verrate ich euch jetzt ein Geheimnis – werde ich ein schönes, dickes Interior-Buch übers Ruhrgebiet machen. Bis es soweit ist, guck ich mir genau an, wie’s die anderen Wohnblogger machen, und freue mich natürlich, wenn euch das gefällt. Auf geht’s! Ich zeige euch drei dicke Bücher, die ich jedes auf seine Weise richtig gut finde.

Will Taylor: Wohnen macht glücklich
Ganz oben in der Liste der weltweit besten Wohnblogs steht Will Taylor mit seinem brightbazaarblog.com. Der Mann steht auf Farben, Farben und Farben. Konsequenterweise heißt der Untertitel seines Buches Wohnen macht glücklich auch „Bring Farbe in dein Leben“. Kann ich persönlich nur unterschreiben, denn sein Motto „Beige is boring“ spricht mir aus der Seele.

Will Taylor

Will Taylor

Engländer haben ja eh ein sehr entspanntes Verhältnis zur Buntheit, und da ist Will Taylor keine Ausnahme. Wer je auf der Insel war, kennt die knallfarbenen Haustüren und die (für unsere deutschen Verhältnisse) poppigen Fassadengestaltungen – passt nicht, gibt’s da nicht!
Über die Wirkung von Farben existieren viele Studien, von Leonardo da Vinci über Goethe bis Johannes Itten, alles hochinteressant, aber – Achtung, Wortspiel – graue (!) Theorie. Will füllt die Theorie mit Praxis, sprich mit unzähligen Beispielen aus seiner eigenen Wohnung und fremden Häusern. Das Buch ist aber kein unübersichtlicher, kunterbunter Mix, sondern sauber strukturiert und in kompakte Kapitel unterteilt.

So führt uns der Autor erst einmal „In zehn Schritten zu einem guten Farbgefühl“ und zeigt Beispiele von Haustüren, Treppen, Stoffen und einzelnen Möbelstücken. Auch die „Vier Wege zur perfekten Lampe“ werden genau erklärt, ebenso die persönliche Farbpalette, alles über Bonbonfarben, Limettenfarben („In fünf Schritten zur perfekten Limetten-Palette“) und andere Kombinationen (Minzgrün mit Lachsrosa, Süßholz und Zinnober, Blauregen und Smaragdgrün und noch viele weitere).

„Beige is boring“

Alles mit zahlreichen Foto-Beispielen für Einrichtungen, Stillleben und Moodboards. Im weiteren Verlauf geht’s dann einmal durchs ganze Haus, vom Flur ins Wohnzimmer in die Küche ins Home-Office ins Bade-, Schlaf- und Kinderzimmer.
Erstaunlicherweise kriegt man bei so viel bunt nicht Kreise vor den Augen, sondern klappt das Buch am Ende munter und erfrischt zu, steht auf, fährt in den nächsten Baumarkt und kauft erst einmal den ein oder anderen Pott Farbe 🙂

Mein Fazit: „Wohnen macht glücklich“ ist ein wirklich richtig toller und auch schön gestalteter Bildband mit vielen Beispielen aus dem echten Leben und brauchbaren Tipps fürs eigene Zuhause.

Charlotte Hedeman Guéniau: Funky Home
Auch farbenfroh, aber etwas anders, vor allem niedlicher ist Charlotte Hedeman Guéniau gelagert. Der Name sagt euch wahrscheinlich nicht unbedingt etwas, aber bei „Rice“ dürfte es in den Ohren von Wohn-Accessoires-Fans tüchtig klingeln. Genau, das sind diese ganzen schönen bunten Sachen, die man alle haben möchte und die unter strengen ethischen und ökologischen Auflagen hergestellt werden. Die erwähnte Dame jedenfalls ist gebürtige Dänin und hat einst „Rice“ gegründet.

Rice

Rice

Genau wie für Will ist für Charlotte Farbe mehr als nur bunter Anstrich, sie ist Ausdruck von Stimmung und positivem Lebensgefühl. Und so verbreitet ihr Buch Funky Home – eingeleitet übrigens mit einem Vorwort von Interior-Bloggerin Holly Becker – auch von der ersten Seite an gute Laune. Das Rezept: bunt in Kombination mit bunt passt immer! Mustermix? Aber immer doch, alles andere ist langweilig. Kissen, Lampenschirme, Bettwäsche, Teppiche, Tapeten, Körbe und Kisten, ja sogar der Kleiderhaken in der Wand ist niemals einfach nur einfarbig.

„Farbe ist eine Prise Magie im Alltag“

An Fotobeispielen wird gezeigt, wie unterschiedlich zum Beispiel ein Flur in hellblau, dunkelblau oder grün gestrichen wirkt. Wenn dann noch der Teppich oder die Lampe ausgetauscht werden, verbreitet der Raum in der Tat eine andere Stimmung. Die Effekte von kleinen Veränderungen sind teils verblüffend. Und wenn man eine bestimmte Farbe, zum Beispiel Kornblumenblau, für sich entdeckt hat, gibt es überhaupt keinen Grund, sie nicht konsequent einzusetzen, also zum Beispiel eine Wand und die Kommode davor in derselben Farbe zu streichen.

Weil man ja nicht von jetzt auf gleich die Wohnung komplett umgestalten kann oder will, freut man sich über Tipplisten, die alle naselang auftauchen und nützliche Hilfestellungen geben, mit kleinen Änderungen mehr Farbe in die Bude zu bringen, ohne gleich einen kompletten Tapetenwechsel zu vollziehen.
Was „Funky Home“ mit „Wohnen macht glücklich“ gemeinsam hat, ist, dass diese überbordende, fröhliche Fülle von Farben und Mustern unterm Strich ganz beruhigend und entspannend wirkt. Erstaunlich, oder?

Mein Fazit: „Funky Home“ ist pralles, buntes Leben, fröhlich bis ins kleinste Detail, voller leicht umsetzbarer Ideen und absolut familientauglich!

Nicole Maalouf: Das neue SoLebIch-Buch
Nicole Maalouf hatte vor ein paar Jahren die brillante Idee, eine Internetplattform zu schaffen, auf der Interiorfans Bilder ihrer Wohnungen hochladen und sich darüber austauschen können. So entstand solebich.de, die größte deutsche Interior-Community mit tausenden von Einrichtungsideen aus authentischen Wohnungen von und für Leute wie dich und mich. Eine lebendige Seite, die ich immer wieder und viel anklicke!
Im letzten Jahr kam das bereits zweite Das neue SoLebIch Buch heraus, gefüllt mit 20 Fluren, 28 Küchen, 27 Essplätzen, 32 Wohnzimmern, 24 Arbeitsplätzen, 29 Schlafzimmern, 24 Kinderzimmern und insgesamt 443 Ideen.

SoLebIch

SoLebIch

Im Unterschied zu den beiden anderen Büchern wird hier also nicht ein Stil von vorne bis hinten durchexerziert, sondern ganz viele verschiedene präsentiert, von schlicht bis verspielt, von farbenfroh bis Ton-in-Ton, von minimalistisch bis üppig. Beruhigende Erkenntnis mal wieder: Stil hat nicht unbedingt etwas mit einem dicken Portmonee zu tun. Auch (oder vielleicht gerade?) Leute, die kein Endlos-Budget zur Verfügung haben, sind besonders sorgfältig, wenn es um ihre Einrichtung geht – bis in die letzte Ecke gestalten sie liebevoll ihr Zuhause.

„Wohne, wie es dir gefällt“

Alle vorgestellten Wohnungen sind ganz individuell eingerichtet, es sieht irgendwie aus wie bei einem selber und den Freunden, nur ein ganz kleines bisschen stylisher. Aber eben nicht so wie in diesen Nobel-Bildbänden, wo schon die Einrichtung des Flurs das eigene Jahreseinkommen verschlingen würde. Durch dieses Buch zu blättern ist ein bisschen, als wenn man im Dunkeln durch seine Straße mit hell erleuchteten Fenstern (ohne Gardinen natürlich) geht und überall reinspinxt, wie die Nachbarn so eingerichtet sind und sich überlegt, ob die Bewohner wohl auch so nett (oder blöd) sind wie ihre Möbel. Ein Riesenspaß für neugierige Elsen wie mich!

Häufig sind es übrigens Kleinigkeiten, die einer Wohnung den besonderen Kick geben, wie zum Beispiel ein aufgemöbeltes, altes Erb- oder Flohmarktstück in einer modernen Einrichtung. Besonderer Pluspunkt des Solebich-Buches: die D.I.Y.-Tipps, die zum Großteil wirklich leicht zu befolgen sind (also auch für Nicht-Heimwerker wie mich zu schaffen) und trotzdem wirkungsvoll. Und nicht zu vergessen die fröhlichen Illustrationen von Larissa Bertonasco, die u.a. ganz schöne Kochbücher gestaltet hat.

Mein Fazit: „Das neue SoLebIch-Buch“ ist extrem alltagstauglich, voll mit Inspirationen und Tipps. Vor allem hilfreich für Leute, die gerade ihre allererste Wohnung einrichten und/oder nicht im Geld schwimmen.

Haben euch diese Buchvorstellungen gefallen? Dann freut euch auf die Fortsetzung, denn die folgt alsbald …

3 Kommentare

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  3. Milli Kellermann sagt

    Dein Blog ist wirklich super, aber auch ich habe gerne ein dickes, großes Buch in der Hand. Will Taylor ist schon bestellt.

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