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Zu Besuch bei: Eva und Thomas

Waldfrieden

ES WAR EINMAL IN AMERIKA

Ein großes, uriges Holzhaus in einem parkartigen Garten, direkt gegenüber ein riesiger Wald. Innen Behaglichkeit pur, ein Familienparadies mit einem gemütlichen Mix aus Alt und Neu, freundlichen Farben und ganz vielen Tieren. Würde man nicht irgendwo in der Ferne ganz ganz leise das Autobahnkreuz Kaiserberg rauschen hören, würde man gar nicht merken, dass man in Mülheim ist. Willkommen im „Waldfrieden“!

Eva und Thomas haben sich hier ein Zuhause geschaffen, das genauso gut in Connecticut stehen könnte oder sonstwo in den USA. Ihre Liebe zum amerikanischen Einrichtungsstil strahlt aus jeder Ecke. Dabei kommen die beiden eigentlich aus Oberhausen! Dort waren sie auf derselben Schule, kannten sich vom Sehen, und nach dem Abi trennten sich ihre Wege. Thomas gründete eine später sehr erfolgreiche Werbeagentur, Eva verschlug’s nach San Francisco, wo sie mehrere Jahre lebte und im Marketingbereich arbeitete. Beide entwickelten unabhängig voneinander eine Begeisterung für schöne Dinge, und als sie sich viele Jahre später in Deutschland wieder trafen und sich neu kennen und lieben lernten, hatten sie direkt eine gemeinsame Leidenschaft. Ihre Zelte schlugen sie zunächst in Berlin und Duisburg auf. So, das war die ultimative Kurzfassung zweier Lebensläufe.

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Als Eva schwanger wurde, suchte die junge Familie ein Nest in der Nähe ihrer Heimatstadt und entdeckte im Internet einen verwinkelten Holzkasten, der aussah wie direkt aus den finnischen Wäldern importiert und den aus unerfindlichen Gründen (runtergewohnt, denkmalgeschützt, zugig, dunkel) sonst niemand haben wollte. Aber es rief laut: „Nehmt mich, restauriert mich, hier werdet ihr sehr glücklich sein!“ Also fackelten Eva und Thomas nicht lange und kauften den unwirtlichen Bau.

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Es folgte eine dreivierteljährige und sehr intensive Umbauphase. Die Denkmalbehörde wollte ein Wörtchen mitreden, wurde aber geschmeidig, als sie merkte, dass die Immobilie in kundigen und guten Händen war. Um es kurz zu machen: Alles, was alt, schön und halbwegs erhalten war, zum Beispiel Türen, Fenster, Beschläge, Heizkörperverkleidungen und die Fußböden, blieb drin und wurde restauriert, der Rest wurde mit sensiblem Gespür ergänzt. Ein ganzes Bataillon von Handwerkern war über viele Monate damit beschäftigt, das Holzhaus bewohnbar zu machen, also zum Beispiel hinter die Original-Einfachverglasung eine zweite zu setzen, Einbauschränke zu bauen (ich sag nur: das Ankleidezimmer, Hammer!) und die Haustechnik auf Stand zu bringen. So, und das war die ultimative Kurzfassung einer megaaufwändigen Renovierung.

Eva jedenfalls hat nicht nur die Bauleitung gemacht, sondern alles, was drin ist – wirklich alles! – mit Sinn, Verstand und Liebe ausgesucht und besorgt. Nichts – wirklich nichts! – ist hier nullachtfuffzehn. Alle Möbelstücke und Accessoires, Teppiche und Tapeten, ganz zu schweigen von den tausend schönen Dingen, die überall liegen, stehen und hängen, haben sie und Thomas liebevoll gesammelt, und zwar wirklich in aller Welt. Vieles ist aus Amerika, aber auch aus Holland oder Hawaii, das meiste aus kleinen, spezialisierten Lädchen oder von Flohmärkten.

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Am Esstisch in der Küche ist es so gemütlich und die Geschichte der beiden und des Hauses so spannend, dass ich gar nicht mehr aufstehen will. Außerdem bin ich schockverliebt in das hübsche, kleine Gemälde von dem Esel. Aber natürlich bin ich auch neugierig auf den Rest des Hauses.

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Das Wohnzimmer ist eigentlich zwei Wohnzimmer! Vor dem riesigen Kamin, den die beiden eingebaut haben, steht eine gemütliche Sofaecke, und ha, was seh ich denn da, den Schaukelstuhl kenn ich doch! Der ist doch von Riccio aus Bochum, oder? Ja, genau! Ein amerikanisches Modell, Frank Sinatra hatte auch so einen. Er passt wie die Faust aufs Auge in dieses Ambiente, als hätte er im Laden nur darauf gewartet, dass die zwei vom Waldfrieden kommen. Von dem Ponderosa-Schaukelstuhl aus kann man in alle Richtungen aus dem Fenster ins Grüne schauen.

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Frühlingsblicke in den Garten eröffnet auch der helle Wintergarten, der offensichtlich von der ganzen Familie gerne genutzt wird: ein Ohrensessel zum Schmökern und Träumen, Kasperletheater und Spielzeug für die beiden Kinder und schließlich ein Schreibtisch für Thomas. Nicht der schlechteste Arbeitsplatz, oder? Dort plant er u. a. seine kleinen Bauprojekte im und ums Haus herum. Die Betten für die Kinder hat er schon selbst gezimmert, aber vor allem hat er sich hinten im Garten sein eigenes Refugium gebaut, so eine Art Gartenhaus-Orangerie-Laube – mit Dusche, Küchenecke, Gästebett und allem Zipp und Zapp. Als ich zu Besuch war, lag das Häuschen noch im Dornröschenschlaf und diente diversen Pflanzen als Winterquartier, aber im Sommer ist die Hütte sicherlich ein Traum! Thomas jüngstes Projekt war der Umbau eines alten Bauwagens zur Sauna. Gut, dass das Grundstück 2000 Quadratmeter groß ist, da ist noch viel Platz für weitere Ideen …
Ideen hat Thomas übrigens viele. Auf eine besonders gute weise ich hier mal hin: In der Initiative „Be an Angel“ setzt er sich gemeinsam mit anderen Leuten aus dem Medienbusiness aktiv und auf verschiedenen Ebenen für Flüchtlinge ein. Sinnvoll, nachahmens- und unterstützenswert, finde ich!

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Geografischer Mittelpunkt des Hauses ist der Eingangsbereich mit dem weiten Treppenhaus. Unten im Flur begegnen wir Fogo, dem sympathischen Hund der Familie, der eine ausgeprägte Vorliebe für Fußbekleidungen hat (s. Foto ganz am Ende des Artikels). Fogo ist eines von vielen Tieren im Haus, allerdings das einzige lebendige. Alle anderen sind entweder aus Porzellan, Plastik, Stoff oder ausgestopft. Ja, ausgestopft! Das ist so ein kleiner Tick von Thomas, dass er das schön findet. Imposantestes Exponat seiner Sammlung: Erich, der Elch, der das Treppenhaus bewacht. Und die Tür gegenüber, die zum wohl gemütlichsten Klo führt, das ich jemals gesehen habe.

Jedenfalls gibt’s da viel zu gucken, angefangen von einem digitalen Fotorahmen mit Bildern von einer USA-Reise der Familie bis hin zu einer Porzellan-Windhund-Skulptur (Erbstück von der Oma) und einem gemalten Bärenkopf (wie gesagt, viele Tiere im Haus). Kein Wunder, das Gäste da gerne mal für ein Weilchen verschwinden … Auch das Treppenhaus ist eine einzige Sammlung von Erinnerungsstücken, vielen Fotos von Familie und Freunden, Kunst, Pflanzen und noch mehr Tieren.

Das Bad der Familie ist nicht sonderlich groß, aber wirklich originell eingerichtet. Als Waschtisch dient eine alte Werkbank, so richtig mit Macken und Farbspritzern dran. Hygienefetischisten kriegen bei dem Anblick wahrscheinlich Pickel, ich find’s toll, genau so wie die kleine Heiligenfigur und die dunkelblau getünchten Wände.

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Um die Ecke ist Evas Büro: klein, funktional, sehr persönlich und – auf die Gefahr hin, dass ich in diesem Artikel die Vokabel überstrapaziere: gemütlich. Eigentlich mag ich das Wort überhaupt nicht, denn es wird meist als Euphemismus für Ferienhäuser genutzt, die mit fürchterlich gemusterten, muffigen alten Polstermöbeln vollgerömpelt sind. Gemütlichkeit bei Eva und Thomas heißt echte Behaglichkeit, Wohnlichkeit, Wohlfühlfaktor zehn, aber trotzdem modern, hell, luftig und evor allem: fröhlich. Evas Sinn für Humor blitzt an vielen Stellen hervor, zum Beispiel auf ihrem Moodboard an der Wand des Arbeitszimmers oder in ihren Schaukästen mit gesammelten Erinnerungen.

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Ihr ahnt sicher schon, dass Evas Arbeit mit ihrem Einrichtungsinteresse zusammenhängt, oder? Sie studiert an einer englischen Fernuni Interior Design und ist auf dem Weg zum Bachelor. Ihr Traum: Ein Laden in Mülheim, in dem sie nicht nur ausgesuchte Möbel, Dekoration und Wohntextilien verkauft, sondern on top noch kompetente Beratung anbietet. Wenn ich mich in ihrem Haus so umgucke, sage ich ihr einfach mal eine steile Karriere voraus! Und das Beste: Ihr Faible für Interiors, insbesondere nordamerikanische, lebt sie seit fast einem Jahr in ihrem Blog aus, der genauso heißt wie das Haus: waldfriedenstate. Und was soll ich sagen: Es ist ein ganz toller Blog, den ihr unbedingt anschauen solltet! Wenn euch der Stil von Eva gefällt, findet ihr dort ganz viel Inspiration.

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Nun aber rüber ins Schlafzimmer. Total gem…  Als Raum nicht sonderlich groß, wirkt es trotzdem wie ein riesiges Zelt! Die dunkelblaue Rückwand mit dem kleinen Fensterchen, die Indigo-Vorhänge, die Pendleton-Decke auf dem Bett, die Kissen und überhaupt: was für ein heimeliger Raum!

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Ich widerstehe tapfer dem Verlangen, mit aufs Bett zu werfen und ein Schläfchen zu machen und folge Eva ins Kinderzimmer – ach was, direkt in die Villa Kunterbunt! Schaut euch einfach die Fotos an, sie sagen wirklich mehr als tausend Worte 🙂

Durchs Ankleidezimmer (!) voll mit praktischen Einbauschränken geht’s eine schmale Stiege hoch auf den Dachboden. „Der war vorher nicht erschlossen, die Luke hatte wahrscheinlich 80 Jahre niemand mehr geöffnet.“ Ausbaureserve nennt man sowas in Neubauten. Und hier steht, wofür im Badezimmer kein Platz mehr war: eine freistehende Wanne mit Gartenblick! Daneben nur ein Kindersesselchen, ansonsten lenkt nichts vom Badevergnügen ab. Wow!

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Der hintere Teil des Dachbodens ist Evas Rückzugsort, ihre persönliche Chill-Zone und Yoga-Ecke. Ursprünglich ganz in Weiß gehalten und spärlich möbliert, füllt sich der Raum mehr und mehr mit Stoffen, Farben und weiteren schönen Dingen. VOLL GEMÜTLICH!

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12 Kommentare

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  3. Bettina, tut mir leid, aber Garten kann ich nicht. Das ist eher ein Zufallsprodukt der Natur bei uns.

  4. Agnieszka sagt

    Waaaaahnsinn!!!!!!! Ein Museum! So individuell! Das nennet man Wohnkultur! Das ist KUNST!

    • Bettina sagt

      Jaaaaaa, ich bin auch total begeistert, liebe Abnieszka 🙂

  5. Ahhh, Bettina. Super schön geworden. Und Du hast uns und Waldfrieden verstanden. Vielen lieben Dank für Deinen tollen Beitrag! Du bist immer herzlich willkommen im Waldfrieden und Fogo wird Dich dann sicherlich wieder mit einem Hausschuh im Maul begrüßen!!!!

    • Bettina sagt

      Danke, liebe Eva 🙂 Ich komme bestimmt gerne mal wieder vorbei, vielleicht, um eine Geschichte über euren Garten zu schreiben?

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