Zu Besuch bei …
Kommentare 19

Zu Besuch bei: Frank und Stephan

Antiquitäten living.ruhr

Ein Home wie ein Castle

Wir machen aus einem alten Nachttopf ein Mokkatässchen“ – dieses Zitat bringt das Renovierungskonzept von Frank und Stephan auf den Punkt. Die beiden haben sich vor neun Jahren eine Doppelhaushälfte in Bochum gekauft und sie ganz nach ihrem persönlichen Geschmack eingerichtet. Und persönlich heißt hier wirklich persönlich, denn ihr Haus ist ganz was Besonderes: ein Trip in vergangene Zeiten.

Ich kenne Frank noch aus Studienzeiten. Er war damals vermutlich weit und breit der einzige Student, der in Antiquitäten lebte. Und wisst ihr was? Es passte zu ihm! Während wir anderen in einem Mix aus IKEA und Sperrmüll hausten, wohnte Frank bereits zwischen geerbten Biedermeier-Kommoden und Louis-Dersoundsovielte-Sesseln und hatte nicht Poster an den Wänden, sondern Ahnen-Gemälde und Veduten, also Landschafts- und Stadtansichten.

DIE KÜCHE

Die Küche ist eine Mischung aus Haus am Eaton Place, edler Porzellansammlung und knallrotem Smeg-Kühlschrank. Das Obst ist übrigens homegrown, sprich aus dem eigenen Garten!

 

Irgendwann lernte er dann Stephan, der moderner bzw. kunstgewerblicher eingerichtet war, kennen und lieben. Nach über zehn Jahren in getrennten Wohnungen zogen die zwei dann gemeinsam ins neue Haus. „Da musste eine Menge Mobiliar zusammengeschoben werden“, erzählt Stephan. Das war nicht leicht, hat aber geklappt und jetzt haben sie ihren gemeinsamen Stil gefunden. Wie ist der denn so? Stephan beschreibt ihn so: „Wir mögen klassizistische Möbel und die Antike, Möbel aus Deutschland, Frankreich, Österreich, Italien …“ Frank fasst zusammen: „Der gelebte, leicht verblichene internationale Chic, wohlgemerkt nicht zu verwechseln mit Shabby Chic.“

 

GELBES ZIMMER

Antiquitäten gelbes Zimmer living.ruhr

Im gelben Zimmer scheint immer die Sonne! Hier verbringen Frank und Stephan ihre Zeit mit Lesen und Klavierspielen.

 

Nee, dafür ist die gesamte Einrichtung auch wirklich zu, äh, schick. Alles sehr gepflegt und gediegen! Ich fühle mich bisschen wie am Set für eine Jane-Austen-Verfilmung. So viele Kommödchen, Figürchen und Skulptürchen, Ölgemälde, Lampen, Sofas, Diwane und Sesselchen, überhaupt: so viele Möbel! Und so viele verschiedene Zimmer, pardon, Salons, die in kräftigen Wandfarben gestrichen sind.

Und alle werden genutzt: Je nach Stimmung und Anlass zieht man sich in das eine oder eben andere Gemach zurück. „Das hängt unter anderem von der Jahres- und Tageszeit ab“, erklärt Frank, „im Sommer und tagsüber sind wir gerne im gelben Zimmer, am Abend im blauen und im Winter und zu Weihnachten im grünen.“ Vor diesen klaren, recht kräftigen Farbtöne kommen die alten Schätze ideal zur Geltung.

BLAUES ZIMMER

Antiquitäten blaues Zimmer living.ruhr

Was für ein Blau! Ideal für die Abendstunden. Und überall im Haus stehen frische Blumensträuße, vor allem Rosen und Lilien.

 

Mein Lieblingsraum ist der Garten“, bekennt Stephan. Diesen Garten kennt ihr bereits, wenn ihr regelmäßige Blogleser seid, schaut mal hier, erinnert ihr euch? Den besten Blick über den schönen Garten hat man von der überdachten Terrasse aus. Eine überdachte Terrasse, am liebsten so im Stil einer amerikanischen Veranda, ist übrigens mein absoluter Traum! Bei Wind und Wetter bis tief in den Herbst hinein draußen sitzen, nicht bei jedem Regentropfen hektisch die Kissen zusammensammeln, und die Windlichter werden auch nicht vom kleinsten Lufthauch ausgeblasen. Und da säße ich dann, eingemuckelt in eine warme Decke, ein Glas Rotwein aufm Tisch, und hätte viele brillante Einfälle für meinen Blog und mein Business … hach, das wäre schön … aber stop halt, ich schweife ab, zurück auf die Terrasse und ins Zuhause von Frank und Stephan.

GRÜNES ZIMMER

Antiquitäten grünes Zimmer living.ruhr

Antiquitäten grünes Zimmer living.ruhr

Überall im Haus entdeckt man kleine Sammlungen von irgendwas. Zum Beispiel Bilder von Vulkanausbrüchen, Korallen, Messinggefäßen oder Blumenväschen. Das bunte Fenster ist noch original aus den 1930er Jahren.

 

Am liebsten hätten die beiden damals, vor neun Jahren, ein Jahrhundertwende-Haus oder ein noch älteres gekauft, aber der Bestand an solchen Immobilien ist ja im Ruhrgebiet und erst recht in Bochum eher gering. Und so bezogen sie dieses Haus von 1937, das den großen Vorteil hatte, dass es nicht in den 1980ern kaputtrenoviert wurde. Unter dunkelbraunem Teppichboden kamen intakte Holzdielen zum Vorschein, und auch die Türen, die Heizungsverkleidungen und das Treppenhaus waren noch fast im Originalzustand. Nur von außen war das Haus ein ziemlicher Verhau, erst vor vier Jahren wurde die Fassade erneuert und gestrichen, Fensterläden angebracht und die fantastische (seufz!) Veranda gebaut.

Schlafzimmer

Antiquitäten Ruhrgebiet living.ruhr

Antiquitäten Ruhrgebiet living.ruhr

Jetzt ein intimes Detail zum Thema Schlafzimmer: Stephan bringt Frank jeden Morgen das Frühstück ans Bett! Wunderbar, oder? Und Puck, der Whippet, fühlt sich auch sichtlich wohl. Das Ankleidezimmer ist ziemlich orange. Einzig der Hometrainer verweist auf das 21. Jahrhundert.

 

Woher haben Frank und Stephan eigentlich diese ganzen alten Möbel und Kunstobjekte? Nun, vieles ist geerbt, das war schonmal der Grundstock sozusagen. Hinzu kommen „Mitbringsel“ aus vielen vielen Urlauben. Bei einem Aufenthalt auf der Insel Jersey kam es übrigens zu einem der wenigen Fehlkäufe der beiden: silberne Platzkartenhalter. Frank grinst: „Als wir die zu Hause ausgepackt haben, mussten wir beide prusten vor Lachen, wie man so einen Scheiß kaufen kann.“ Das war aber wirklich eine Ausnahme. In aller Regel wissen beide sehr gut Schmu von Wert zu unterscheiden. „Mit der Zeit bekommt man ein Gefühl dafür, ob zum Beispiel eine Kommode echt alt ist oder aus drei verschiedenen ramponierten Stücken zusammengezimmert.“ Die meisten Sachen kaufen sie bei Händlern, denen sie vertrauen, und auf Auktionen. So richtig mit „zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten“. Entweder fahren die beiden dafür in Auktionshäuser oder sie bieten per Telefon mit. Nichts für schwache Nerven jedenfalls!

Flur

Antiquitäten Ruhrgebiet living.ruhr

Antiquitäten Ruhrgebiet living.ruhrDas Treppenhaus ist eine Mischung aus Griechisch-Römisch und gemalten Porträts von Franks Vorfahren. So richtig schick finde ich die Schwarz-Weiß-Gestaltung von Treppe und Boden.

 

Mit der Frage, ob Antiquitäten eine gute Wertanlage seien, oute ich mich endgültig als Ahnungslose. Denn im Gegenteil, zum einen sind die Preise in den letzen Jahren ziemlich gefallen, einfach weil die Nachfrage gesunken ist (insgesamt werden wohl eher moderne Design-Klassiker gesammelt als klassizistische Möbel). Und zum anderen: „Nö, uns geht’s einzig und allein ums Gefallen. Wir kaufen, was wir schön finden. Nie mit Anstrengung oder großem Zeitaufwand, aber immer mit viel Spaß und Humor“, versichert Stephan. Frank ergänzt: „Ich würde uns nicht als typische Sammler bezeichnen. Irgendwann ist das Haus voll und dann ist’s gut.“ Bis das Haus voll ist („voll“ ist relativ!), wird’s wohl noch ein Weilchen dauern und die zwei werden viel Spaß an schönen Dingen haben. Frank: „Wenn wir zum Beispiel ein neues Bild haben, freue ich mich wochenlang darüber und putze mir morgens die Zähne davor.“

Arbeitszimmer

Antiquitäten Ruhrgebiet living.ruhrAntiquitäten Ruhrgebiet living.ruhr

Oben unterm Dach ist Stephans Arbeitszimmer. Hier sitzt er gerne morgens zwischen 5 und 8 Uhr (!!!) und erledigt Verwaltungsarbeiten.

 

Das finde ich irgendwie eine schöne Vorstellung, sich beim Zähneputzen am eigenen Zuhause zu erfreuen. Das probier ich gleich morgen auch mal aus. Aber jetzt geh ich erstmal in unser rosa Zimmer (im Volksmund Küche genannt) und koche was Leckeres für den Liebsten und mich.

So, ich hoffe, der Blick in dieses ungewöhnliche Zuhause hat euch gefallen! Wie findet ihr den Style von Frank und Stephan?

Ist euer Zuhause auch einen Besuch wert? Dann schickt doch drei vier Handyfotos an bettina@living.ruhr und vielleicht wird ja ein Blogbeitrag daraus!? Ich freue mich auf und über Post von euch!

Urmel im Körbchen

19 Kommentare

  1. Pingback: LIVING.RUHR » Weihnachtsdeko-Challenge: die Besten der Besten!

  2. Schön, liebe Bettina,, auch mal eine Homestory mit ganz individuellem Syle zu sehen. Momentan ist ja alles Weiß und Shabby. Es geht gar nicht darum, ob man sich selbst so einrichten würde. Es geht darum, Menschen, Stile und Geschichten kennenzulernen, den Horizont zu erweitern. Danke für die Einblicke!

    Liebe Grüße
    Birgit von http://freiraumarchitektur.net

    • Bettina sagt

      Danke für deinen netten Kommentar! Und du hast ja wirklich auch einen schönen Blog, Kompliment!
      Herzliche Grüße, Bettina

  3. Großartig! Das ist genau das, was ich mit persönlichem Stil meine!! Ein Zuhause, das erzählt, das Ausdruck einer bzw. hier zweier Persönlichkeiten ist. Danke für diese tolle Home Story!

    • Bettina sagt

      Herzlichen Dank für das Lob aus so berufenem Munde, ich freu mich sehr, lieber Igor! Liebe Grüße, Bettina

  4. Yasemin sagt

    Hammer!
    Kaum zu glauben, dass das „echt“ ist – und dann noch im Ruhrgebiet! Wunderbar. Im wahrsten Sinne des Wortes.
    Wie sieht denn das Haus von außen aus? Sieht man ihm dieses Innenleben an?

    • Bettina sagt

      Von außen sieht das Haus eher schlicht aus, man würde hinter der Fassade nix Üppiges vermuten. Ich wette, wir haben hier ganz viele versteckte Kleinode …
      Liebe Grüße, Bettina

  5. Mal eine ganz andere Art von Design. Gefällt mir, dass du auch über etwas aus der Zeit gefallene Einrichtungen schreibst. Bin schon gespannt auf die nächste Homestory.

    • Bettina sagt

      Danke, Lena! Ja, die nächste Homestory kommt bestimmt 🙂 Herzliche Grüße, Bettina

  6. Sarah sagt

    Eigentlich gar nicht so mein Stil. Aber wenn ich sehe, mit wie viel Liebe zum Detail da konzipiert und eingerichtet wurde, bin ich tief beeindruckt. Vielleicht sollte ich meine Räume auch mal mit kräftigen Farben renovieren.

    • Bettina sagt

      Danke, liebe Sarah, ich versteh dich gut. Ist sicher nicht jedermanns Sache, aber konsequent und liebevoll eingerichtet. Und kräftige Farben sind glaube ich nie verkehrt 🙂 Herzliche Grüße, Bettina

    • Bettina sagt

      Danke, lieber Jörn! In der Tat hingen da sooo viele Spiegel und Glasrahmen, da konnte ich mich nicht verstecken … Herzliche Grüße, Bettina

  7. Hallo liebe Bettina, grosses Kompliment. Wieder einmal ein ganz toller Beitrag über aussergewöhnliche Menschen mit einem aussergewöhnlichen Geschmack. Ich begrüsse alles, was kreativ ist und jenseits von IKEA-Massen seinen eigenen Stil auslebt. Und Deine Schreibe ist einfach umwerfend – ich lach mir jedes Mal ein kleines oder auch mal grösseres Loch in den Bauch. Tut der Seele gut… Hab’s gut und schreib fleissig weiter! Ni

    • Bettina sagt

      Danke liebe Ni, da freu ich mich sehr! Ich bin immer wieder fasziniert, wie viele verschiedene Stile es gibt, die jeder für sich toll sind, selbst wenn man sich selbst vielleicht nicht so einrichten würde 😉 Herzliche Grüße, Bettina

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.