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Zu Besuch bei: Petra – Altbauwohnung mit Charme

esszimmer dortmund

Altbauwohnungen gibt’s ja im Ruhrgebiet leider nicht so viele. Um so glücklicher können sich diejenigen schätzen, die eine ergattert haben! Petra wohnt seit über 20 Jahren im Dortmunder Kreuzviertel in einem Haus von 1904 und ist seitdem eigentlich ununterbrochen damit beschäftigt, ihre Wohnung zu renovieren und noch schöner zu machen.

Eine gemeinsame Freundin hatte mich auf Petras Wohnung aufmerksam gemacht: „Die gefällt dir bestimmt, fahr mal hin!“ Und in der Tat, gleich beim Reinkommen war ich hin und weg. Zum einen, weil Petra mir auf Anhieb sympathisch war, zum anderen, weil schon der dunkel gestrichene, verwinkelte Flur so besonders war (ein Foto davon gibt’s allerdings nicht, weil sich dort von der Party am Abend zuvor noch die leeren Bierkästen stapelten). Schon bei der Begrüßung wurde mein Hals immer länger, so neugierig spähte ich in die Zimmer. Zum Glück bekam ich dann aber von Petra eine 1a-Schlossführung durch ihre Gemächer. Komm mit, los geht’s in der Küche!Kueche Dortmund

Auch hier: dunkle Wände (und sogar die Decke) in Anthrazit. Würde ich selbst mich niemals trauen, finde ich aber bei anderen immer super. So auch hier in dieser länglichen Altbauküche. Aber der absolute Megaknaller ist die Fliesenwand. DIESE FLIESENWAND! Konsequent hochgezogen bis zur hohen Decke, ein Mix aus Zementfliesen in verschiedenen kalten und warmen Grautönen, Weiß und Rosa (von VIA Platten). Hier zeigt sich gleich Petras Händchen für Farbzusammenstellungen. Kein Wunder, dass sie das so gut kann, schließlich ist sie nicht nur gelernte Kunstglaserin und Kunstlehrerin, sondern auch freie Künstlerin. Wenn eine mit Farben umgehen kann, dann also sie!

Kuechenfliesen VIA

Kuechenfliesen

Die wunderwunderschöne Fliesenwand sieht in jedem Licht gut aus, also mit künstlicher Beleuchtung (oben) genau so wie im Tageslicht.

Die extratiefen Arbeitsflächen sind Maßanfertigungen aus Edelstahl, die Schränke untendrunter von IKEA. Damit’s nicht zu klinisch wird, steht an der grauen Wand gegenüber ein wohnliches Sideboard. Und am Ende der Schlauchküche blickt man auf einen kleinen, schnuckeligen Balkon – gerade groß genug, um zu zweit darauf zu frühstücken oder am Abend einen Sundowner oder wahlweise Absacker zu nehmen. Von hier aus geht der Blick auf einen typischen Ruhrgebietshinterhof, also einen entspannten Mix aus grauen Garagenhöfen, grünen Gärten und liebevoll gestalteten Terrassen und Balkonen.

Küche Sideboard

balkon_in_dortmund

Perfekter Platz für ein romantisches Frühstück oder den letzen Absacker …

Dem Esszimmer nebenan sieht man an, dass hier viel gelebt wird – und das ist absolut positiv gemeint. An dem langen Holztisch hat schon Petras mittlerweile erwachsener Sohn als Kind gebastelt, sie selbst malt oft daran, und auch ansonsten zieren Spuren der Geselligkeit den rustikalen Esstisch aus Holland. Die Eisenstühle hat sie vor ein paar Jahren in Berlin entdeckt und nach Dortmund exportiert. Durch die Felle bleibt der Allerwerteste schön warm und hat’s weich. An den Wänden hängt viel Kunst, überwiegend eigene Werke, aber auch viel von anderen Künstlern. Überhaupt spielt die Kunst in dieser Wohnung eine große Rolle: kein Raum, in dem nicht gleich mehrere Arbeiten stehen, liegen oder hängen.

Esszimmer Dortmund

Esszimmer Kunst

Im Wohnbereich, der nur durch einen Durchbruch vom Esszimmer abgetrennt ist, spielt ein großes weißes Sofa die Hauptrolle. Dazu zwei Vintage-Sessel, ein Bücherschrank – fertig. Ein angenehm unaufgeregter Raum, einzig ein riesiges Hirschgeweih über dem Fernseher ist ein bisschen prätenziös. Apropos, Hirschgeweihe begegnen einem in dieser Wohnung ständig. Petra lacht: „Es fing mit einem an, und dann bekam ich von Freunden immer wieder welche geschenkt, in verschiedenen Größen und aus verschiedenen Materialien.“ Doch sie ist keine verbissene Sammlerin, sondern präsentiert ihre Geweihe gerne mit einer Prise Humor. Dieser Hirschkopf zum Beispiel guckt nicht wie in einem bayrischen Wirtshaus erhaben in den Raum, sondern trägt den Kopf quasi falschrum und gibt den Blick ins Innere seines Schädels preis.

Wohnzimmer Dortmund

Wohnzimmer Dortmund

Hirschgeweihpetra-eick-porträt
Und wenn du denkst, dieser Hirsch wäre schon groß, dann komm mal mit rüber ins Schlafzimmer. Dort nimmt ein deckenhohes, gemaltes Exemplar eine gesamte Wand ein. Petras Freund Rüdiger, der ebenfalls künstlerisch arbeitet, hat riesige, dünne Stahlplatten auf die Wand montiert und darauf den überdimensionierten Zwölfender gemalt. Dagegen kann die schönste Fototapete einpacken, oder? Der Raum selbst ist gar nicht besonders groß, aber mit dem gigantischen Wandgemälde und der ansonsten spärlichen Möblierung entfaltet er eine erstaunlich großzügige Wirkung. Außer dem Bett besteht das Mobiliar aus einer schmalen Wandkommode und einem Eames-Stuhl; ein kleiner Hocker dient als Nachttisch. Hingucker ist die Wandlampe, eine echte Schottlander. Überhaupt, Petra hat ein Faible für Lampen, da guckt sie nicht auf den Euro und grinst verschmitzt: „Ich mag schöne Lampen.“ Das sieht man auch an einer Anglepoise-Stehlampe sowie der Bogenlampe Arco von Flos im Wohnzimmer. Lampenfans bekommen bei diesem Namedropping sicher glänzende Augen …

schlafzimmer dortmund

schlafzimmer wandgemälde

schottlander im schlafzimmer
Mir persönlich gingen die Augen eher über, als ich die Bodenfliesen im Badezimmer entdeckte. Soooo schöööhööön! Und wieder ein Beispiel für das sichere Farbgefühl von Petra, die die einzelnen Fliesen mit viel Bedacht kombiniert hat. Auch den minimalistische Fliesenspiegel über dem Waschbecken mag ich sehr. Und sogar in diesem Feuchtraum: lauter Kunst! So klein das Bad von Petra ist, so geschickt hat sie doch a) den wenigen Platz genutzt und b) einen ganz individuellen Raum geschaffen. Weitere Beispiele und Tipps fürs Badezimmer findest du hier.

Badezimmer FliesenKunst im Badezimmer

Klopapierrolle aus Horn

Für manche ist es ein schnödes Hirschgeweih, für mich der schönste Klorollenhalter der Welt …

Weiter geht’s ins Gäste- und Arbeitszimmer bzw. Atelier. In diesem Mehrzweckraum übernachten Freunde und Verwandte, hier kann Petra malen und zeichnen oder auch am Schreibtisch das tun, was Lehrerinnen so tun: Unterricht vorbereiten und Klausuren korrigieren. Und so ist der Raum (also eigentlich sind es zwei kleine Räume, die in einander übergehen) auch in Zonen aufgeteilt: an einer Wand entlang ein Regalgestell für Bilder aller Größen, gegenüber die Nische mit dem Gästebett, um die Ecke der Schreibtisch, dazwischen viele Malutensilien. Und hier ist auch der Ausgang auf die herrliche Terrasse, die Petra vor einigen Jahren angebaut hat und die viel Platz für große Pflanzenkübel, eine Sitzecke und Gartenliegen bietet. Ein voll tauglicher Gartenersatz!

Gästezimmer in Grau

Lampe ArbeitszimmerMalutensilien

altes_handwaschbecken

Dieser Traum von einem alten Handwaschbecken war tatsächlich genau so in der Wohnung vorhanden. Glück braucht der Mensch!

Jetzt wohnt sie schon seit 1994 in derselben Wohnung. Wie war der Zustand beim Kauf damals? „Ka-ta-stro-phe!“, lacht Petra. Abgehängte Decken mussten entfernt werden, ebenso wie tonnenweise Putz. Geld für Handwerker hatte sie damals nicht, aber „Wände streichen und Böden abschleifen kann ja jeder“. Raum für Raum wurde liebevoll renoviert. Bis auf einen vom Uropa geerbten Sekretär und der Murano-Glas-Lampe überm Esstisch ist von der Ersteinrichtung nichts mehr geblieben. Die Hausherrin liebt den Wandel, ist ständig mit Renovierungen bzw. Planungen beschäftigt: „Das ist so spannend, alles entwickelt sich immer weiter.“ Also ich find’s momentan eigentlich ziemlich perfekt bei Petra … und du? Ich freu mich wie immer über Kommentare!

PS: Zu Petras Künstlerinnen-Webseite geht’s hier.

terrasse-dortmund

10 Kommentare

  1. Astrid sagt

    Tolle Wohnung. Da werden die Skulpturen und Bilder toll inszeniert ohne die Oberhand zu gewinnen.
    Falls Ihr Lust habt, googelt mal „das Oberstübchen“ in Oberhausen, Schenkendorfstr.

    • Bettina sagt

      Liebe Astrid, schön, dass dir die Wohnung gefällt! LG Bettina

  2. Frank sagt

    Danke für den wunderbaren Beitrag. Habe da neue Ideen für mein eigenes Zuhause (Wohn in einem Haus von 1958 in Ratingen) bekommen.

    • Bettina sagt

      Oh, gerade erst deinen Kommentar gesehen, lieber Frank. Wie schön, dass dir der Post gefällt. Ich freu mich immer sehr, wenn die Artikel wirklich jemanden inspirieren 🙂 Liebe Grüße nach Ratingen, Bettina

  3. Jana F. sagt

    Hallo Bettina, was für tolle Wohnungen es hier im Pott gibt, wer hätte das gedacht! Im Kreuzviertel gibt es ja noch ziemlich viele Altbauten. Liebe Grüße, Jana

    • Bettina sagt

      Da hast du recht, liebe Jana, aber das ist leider die Ausnahme. Und leider werden Altbauten auch oft nicht gerade gekonnt renoviert … Um so besser, dass Menschen wie Petra das Beste aus solchen Wohnungen rausholen. Herzliche Grüße, Bettina

  4. Sara12 sagt

    Liebe Bettina, das ist ja mal wieder eine sehr schöne Wohnung, die du da entdeckt hast. Mir gefällt vor allem der weiße Holzfußboden im Wohnzimmer. Danke für diesen Blogpost! Sara

    • Bettina sagt

      Liebe Sara, gerne 🙂
      Ich fand den hellen Holzboden auch so gut, dass ich so einen auch in meinem neuen Büro haben werde. Bin sehr gespannt, wie strapazierfähig der wohl ist … Herzliche Grüße, Bettina

  5. Barbara sagt

    Das Gemälde im Schlafzimmer ist ja mega! Eine tolle Idee, eine ganze Wand als Bild. Sehr inspirierend, danke! LG Barbara

    • Bettina sagt

      Gerne, liebe Barbara! Wenn du auch mal irgendwann so ein Riesengemälde an der Wand hast, schick unbedingt ein Foto!!!! LG Bettina

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