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Zu Besuch bei: Toralf und Marc

 

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Dion, der Hund des Hauses

Sonntagnachmittag. Sommeranfang. Es gießt in Strömen. Was für ein Glück, dass ich bei Toralf und Marc zu Tee und Apfelkuchen eingeladen bin! Die beiden haben eh Sonne im Herzen, denn sie bewohnen seit zwei Jahren ein wunderschönes Haus in der Dortmunder Gartenstadt. Und ich darf es mir von oben bis unten anschauen. Was nicht mal eben hopplahopp geht, schließlich gibt es 260 Quadratmeter zu erkunden. Sooo viel Platz, ist das toll!

Kaum biegt man von der lauten und vollen B1 ab, ist man in einer anderen Welt gelandet. Es ist sonntäglich ruhig, hübsche Villen säumen die baumbestandene Straße und strahlen Wohlstand und Zufriedenheit aus. Wie kommt man hier an ein Haus, frage ich mich, ich dachte immer, das kann man nur erben?! Aber – man höre und staune – dieses war tatsächlich bei Immobilienscout inseriert! Für einen relativ günstigen Kurs sogar, was einen ja erstmal misstrauisch macht, oder? Beim ersten Besichtigungstermin erkannten Toralf und Marc sofort: Renovierungsstau, aber hallo. Das Haus, 1927 gebaut, war kaum zu sehen, so überwuchert war es mit Efeu, die Fenster im Erdgeschoss hinter einem verlotterten Dschungel verborgen. Drinnen Chaos und Gerümpel, Gestank, Feuchtigkeit und obendrauf ein marodes Dach (ich hab Fotos von all dem gesehen, huijuijui). Ein befreundeter Architekt nahm das Haus, das sonst niemand haben wollte, unter die Lupe und befand: Tiptop-Substanz, nehmt das!

Außen pfui, innen hui

Und dann begann das, was Marc eine „Speedrenovierung“ nennt. In knapp drei Monaten wurde das Haus rundumsaniert, zumindest soweit es das Budget zuließ. Erst einmal haben die beiden das Haus mit eigener Muskelkraft von dicken Efeumatten befreit und den völlig verwilderten Garten gerodet. Teppichböden und Tapeten abgerissen und Rigipswände entfernt. Und so wurde im Laufe weniger Wochen aus dem dunklen Gemäuer ein lichtdurchflutetes Haus, das nun seine wahren Eigenschaften offenbarte: weitläufige Räume, intaktes Eichen-Fischgrät-Parkett im Erdgeschoss, hohe Stuckdecken, alte Türen, Zargen und Beschläge, 20-cm-Fußleisten und vor den Heizköpern noch die Original-Verkleidungen. Und erst der Fliesenboden in der Küche … und das großzügige, helle Treppenhaus … ein Traum! Im Nachhinein war die Verwahrlosung des Hauses ein Segen, denn sonst wäre es wohlmöglich einer dieser schlimmen 80er-Jahre-Renovierungsattacken zum Opfer gefallen.

Treppenhaus Dortmund

Nun ja, jetzt jedenfalls sind die Räumlichkeiten so schön, dass es fast schon egal ist, was man an Möbeln reinstellt. Toralf und Marc, die vorher getrennte Wohnungen hatten, war’s natürlich nicht egal. Wer jemals zwei Haushalte zusammengeworfen hat, weiß, wovon hier die Rede ist (erinnert sich noch einer die legendäre Wagenradtisch-Szene in „Harry und Sally“?). Toralf stand auf gediegenes Holz, Marc auf Chrom-Leder-Kombination. Eine komplett neue Einrichtung kam nicht in Frage, also wurden die Möbel kombiniert – und das klappt vorzüglich. Die Wassily-Chairs von Marcel Breuer passen super ins Treppenhaus (eigentlich kein Wunder, sind ja auch aus derselben Zeit wie das Haus). Und die Stahlrohrliege im Fernsehzimmer (ein Fernsehzimmer haben finde ich so richtig cool) harmoniert mit dem gemütlichen Sofa. Ein gelungener Stilmix ist es auf jeden Fall!

Toralf

Wohnzimmer Dortmund

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In der Küche wurde der ursprüngliche Stil des Hauses so weit wie möglich beibehalten. Herzstück (und da bin ich tatsächlich ein bisschen neidisch drauf) ist der große Gasherd von Lacanche. Sieht aus wie aus einem französischen Landhaus, beinhaltet aber allermodernste Technik. Kostet ein Vermögen, ist aber, wie es so schön heißt, „was fürs Leben“ (wie zum Beispiel auch unser Sofa). Toralf und Marc sind begeisterte Köche und Gastgeber, und so kommt das gute Stück auch oft genug zum Einsatz. Mit Besuch dinieren die beiden natürlich im Esszimmer, an den Tisch passen locker zehn Leute und es ist trotzdem nicht eng. Zu zweit hocken sie dann doch eher in der gemütlichen Sitzecke in der Küche, mit Blick in den wunderschönen Garten.

Küchentisch

Lacanche Herd

Lacanche

Schlafen wie Gott in Dortmund

Weiter geht die Schlossführung in der ersten Etage. Und wow, was für ein Schlafzimmer, ich bin total begeistert! Dominiert wird der riesige Raum von einer dunkelblau gestrichenen Wand, vor der das Bett steht, über dem ein großes Turner-Gemälde hängt (liebe Diebe, es ist nicht das Original, sondern ein Foto). Trotz der dominanten, blauen Wand wirkt das Zimmer hell und gemütlich, was wohl an dem ebenfalls riesigen Fenster liegt. Und dem freien Blick in die Gärten hintenraus. Umgekehrt kann keiner reingucken, so dass die beiden gut auf Vorhänge verzichten konnten und einen herrlichen Blick ins Grüne haben.

Toralfs Zimmer

Toralfs Zimmer

Marcs Zimmer (die Grafiken sind Originale aus den 70ern)

Marcs Zimmer (die Grafiken sind Originale aus den 70ern)

Nachdem ich die ganze Zeit ein bisschen gestaunt habe, dass es in diesem Haus so aufgeräumt ist, bin ich richtig erleichtert, dass die Arbeitszimmer der beiden so aussehen wie, tja, Arbeitszimmer halt, also eine irgendwie wohltuende Unordnung ausstrahlen. Toralf verbringt als Lehrer natürlich viel Zeit am Schreibtisch, um den Unterricht vorzubereiten und Klassenarbeiten zu korrigieren. An dieser Stelle ist wohl der richtige Zeitpunkt zu erzählen, dass er Bio und Chemie unterrichtet. Ja, ihr Lieben, es gibt in der Tat nette Bio- und Chemielehrer!!! Und nette Leute bei Versicherungen übrigens auch, denn dort verdient Marc seine Brötchen im Controlling.

Arbeitszimmer

Kellerphantasien

Als nächstes geht’s dann runter in den Keller, durch dunkle Flure und die Waschküche, dann nochmal um die Ecke, und hier frönt Toralf seiner wahren Leidenschaft … er töpfert! Schon seit der dritten Klasse macht er das, und er kann es richtig gut. Viele Kurse hat er besucht und seine Fähigkeiten im Herstellen von Porzellan und Keramik immer weiter verfeinert. Seit einem Jahr hat er so eine richtige Profi-Töpferscheibe, auf der er feinstes Steinzeug dreht. In langen Regalen lagert im Porzellanraum der erstaunliche Output von Toralf: Vasen, Schalen, Teller und Objekte ohne Ende. Das Atelier (wie gesagt, die beiden haben richtig viel Platz) ist glücklicherweise groß und hell und hat ein großes ebenerdiges Fenster zum Garten.

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Womit wir beim nächsten Highlight des Hauses wären: dieser Garten! Vor zwei Jahren: tabula rasa, alles musste raus. Erde wurde aufgeschüttet, Mäuerchen aufgestapelt, Beete angelegt und Wege geschaffen – alles nach einem ausgeklügelten Plan, dem Zufall wurde hier nichts überlassen. Eine Menge Arbeit, bis aus der Brache ein Garten geworden war. Doch das Ergebnis kann sich mehr als sehen lassen: Rosen blühen in allen Farben und verbreiten einen betörenden Duft – sogar an diesem verregneten, usseligen ersten Sommer-Sonntagnachmittag.

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Garten Dortmund

Danke, Toralf und Marc, dass ihr mich reingelassen habt! Und ich überall meine neugierige Nase reinstecken durfte! Und für den leckeren Apfelkuchen!

Und selbst? Habt ihr vielleicht auch ein Haus umgebaut, eine Wohnung kernsaniert oder einen Garten angelegt? Dann schickt doch eine Mail und ein, zwei Fotos an bettina@living.ruhr, vielleicht wird ja ein Blogbeitrag raus?!

 

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5 Kommentare

  1. Pingback: LIVING.RUHR » Happy Birthday to living.ruhr

    • Bettina sagt

      Liebe Svenja, das versteh ich, da bist du nicht die Einzige 😉

  2. Bärbel sagt

    Die blauen Wände sind sehr schön, aber noch besser gefällt mir das Dunkelgrün in der Küche. Wo kriegt man denn diese tollen Farbtöne her?

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