Zu Besuch bei …
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Zu Besuch bei: Uwe und Johannes

Hirsch

Landlust

Wohnen auf dem Land mitten in Gelsenkirchen – geht das? Geht! Im Dreiländereck von Resse, Westerholt und Buer haben vor 12 Jahren Johannes und Uwe ihr Traumhaus gefunden, renoviert und liebevoll eingerichtet. Mit diesen beiden Obersympathen habe ich dort einen äußerst vergnüglichen Herbstnachmittag verbracht!

„Wenn du denkst, hier bin ich falsch, bist du genau richtig“, beschreibt mir Johannes am Telefon den Weg. In der Tat, gefühlt lande ich im Münsterland (de facto im Naturschutzgebiet in Gelsenkirchen). „Am Anfang war das abends echt komisch“, erzählt Uwe, „hier ist es nachts stockfinster, keine Straßenlaterne weit und breit.“ Inzwischen haben sich die beiden dran gewöhnt und genießen es sichtlich, so ruhig und einsam zu wohnen. Ein Trost für die Stadtmenschen: Mit dem Fahrrad sind es nur 10 Minuten bis Buer – die Zivilisation ist also in der Nähe 😉

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Irgendwer erzählte den beiden einst „Ach übrigens, die Frau R. verkauft ihr Haus!“ Noch am selben Abend fuhren Uwe und Johannes hin, waren von der Lage begeistert und erkannten das Potenzial, das in dem ziemlich heruntergekommenen Haus steckte. Eine Woche später saßen sie beim Notar und unterschrieben den Kaufvertrag.
Kaum war die Vorbesitzerin aus dem Haus, flogen bereits alte Teppichböden, Verkleidungen und 70er-Jahre-dunkle-Eiche-Türen aus dem Fenster. In einem Kraftakt von nur drei Monaten renovierten, ach was, sanierten die beiden den vorderen Teil des Hauses (Stichwort Renovierungsstau) und zogen ein. Wichtig war ihnen von Anfang an, den ursprünglichen Charakter des Hauses zu bewahren bzw. wieder herzustellen. So haben sie auch keine neuen Türen eingebaut, sondern gebrauchte gesucht und gefunden, die zum Stil des 1904 gebauten Hauses passten.

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Am allerallerallerallerschönsten in dem ganzen Haus finde ich ja die originalalten Fliesen in der geräumigen Diele. Gut, dass hier weder eine Sauberlaufzone noch die üblichen Flurmöbel drin stehen, sondern nur ein weißer Stuhl und die Schlafstatt des wichtigsten Mitbewohners: Hermann. Der Labrador-Mix hat unter der Treppe ein Riesenkörbchen, seine Näpfe und vor allem eine eigene Galerie mit Fotos seiner besten Kumpels. Da möchte man fast Hund sein, oder?

Aber die Jungs leben auch nicht schlecht! In der urgemütlichen Küche laden sie mich zu Tee und köstlichem Apfelkuchen (mit dem Thermomix zubereitet, aber das ist ein anderes Thema) ein und erzählen von ihrem Haus, das auf eine lange Geschichte zurückblickt. Immer haben dort kinderreiche Familien gewohnt, so dass es in der Gegend noch viele Menschen gibt, die eine Beziehung zu dem Haus haben und auch mal gucken kommen, wie es jetzt aussieht. Ein Haus mit Seele also!

Küche

Viel Seele strahlt auch der Wohn- und Essbereich aus. Hier ist nichts von der Stange und nichts wie aus einem Hochglanz-Interiormagazin. Sondern ein ganz individueller Möbel-Mix von Alt und Neu, von liebgewonnen Schätzchen und Designklassikern. Die Tischplatte zum Beispiel ist das Meisterstück von Johannes, der früher mal Parkettverlegermeister war, das Bild darüber stammt wie alle Gemälde in dem Haus von Uwe. Wenn gerade kein Besuch da ist, werden die Möbel beiseite gerückt und dann schwingt Uwe hier den Pinsel. Dabei entstehen wahre Farborgien, aber immer sensibel komponiert.

Esszimmer

Werft mal einen Blick auf das Foto oben: Die Lampe überm Esstisch ist ein Designerstück (weiß jemand, von welchem?), die igelige Kugel rechts daneben aus Fischers Lagerhaus. Unten links auf dem Boden ist noch ein Stück Hermann zu sehen, der während meines Besuchs zunehmend Gefallen daran fand, geknipst zu werden. Apropos Boden, ein Teil der schönen Holzdielen war schon im Haus, aber einige waren zu wurmstichig und mussten durch neue ersetzt werden. Fällt aber kaum auf, sieht aus, als wenn der Boden schon immer so gewesen wäre!

Shabby-Sessel

Meine persönliche Lieblingsecke habe ich schon beim ersten schnellen Blick durchs Wohnzimmer erspäht: ein ziemlich abgeschabter alter Sessel mit Fell drin, daneben eine antike Holztruhe als Ablage, darauf eine original aus den 60ern stammende Nesso-Lampe von Artemide (kann man in neu hier kaufen). Der olle Sessel ist ein Erbstück von Freunden aus Düsseldorf, die ihn leid waren (Leute gibt’s …) und der ideale Leseplatz im Haus. Wenn man drinsitzt und hoch guckt, schaut man über die weiten Felder und alten Kastanien vor dem Haus – wunderbar, wie im Urlaub!
Und was hat man im Rücken? Ein Billy-Regal, hurra! Was meine These stützt, dass es kaum einen Haushalt ohne gibt. Das Billy-Regal ist ja sowas wie die Jeans unter den Möbeln, jeder hat welche, und zwar generationen- und schichtenübergreifend, ein echt demokratisches Möblstück also, zeitlos irgendwie. Also durchaus ein Design-Klassiker!

Sofa

Es war übrigens Allerheiligen, als ich die zwei besucht habe, und wie ihr euch sicher noch erinnert ein wunderschöner, fast sommerlich warmer Nachmittag. Der große Garten verbreitete dementsprechend Landhaus-Kalender-Herbst-Stimmung pur. Buntes Laub, warmes Licht, ein laues Lüftchen – Herz, was willst du mehr. Fand auch Hermann und machte es sich auf der riesigen Terrasse bequem, um ein Sofakissen zu zernagen. Die Holzterrasse hat Johannes übrigens selbst gebaut. Raffiniert: Der runde Auslass für den wunderschönen alten Baum, unter dem man im Sommer sicher herrlich den Schatten genießen kann.

Nu aber wieder rein in die gute Stube. Besser gesagt in die Badestuben. In der unteren Etage verbreitet ein geschnitztes Holzrelief fernöstliches Flair, das obere Bad besticht durch einen kleinen Ausguck auf die weiten Felder. Verspielte Armaturen, alte Kommoden als Waschtische und runde, lindgrüne Mosaikfliesen geben den Bädern eine nostalgische Note. Klein, aber fein!

Durch das schöne Treppenhaus geht’s hoch in der erste Etage zu den Schlafräumen. Meine Güte, Gäste von Johannes und Uwe haben’s echt gut! Denn sie übernachten in einem schönen weißen Metallbett, im Rücken eine mokkafarbene Wand, vorm Fenster den Blick in die Felder. Da kann sich so manches Romantikhotel ne Scheibe von abschneiden … Auch hier sind viele nette Details zu finden: ein lilafarbener Hirschkopf zum Beispiel (total vegan, weil aus Pappe) oder alte Schautafeln aus der Schule.

Gästezimmer

Blick ins Gästezimmer

Im Schlafzimmer der beiden steht ein richtig wertvoll aussehender antiker Schrank, der wie so manches Stück im Haus ein Geschenk von alten Kunden von Johannes ist. Also ehrlich, was die Leute so wegwerfen wollen, ich fass es nicht. Aber des einen Doofheit ist des anderen Freud, und so sind Uwe und Johannes stolze Besitzer von vielen außergewöhnlichen, wertvollen und individuellen Möbeln – und von einer Billy-Regal-Wand nicht zu vergessen.

Ausblick

Schönes Gelsenkirchen

 

10 Kommentare

  1. Pingback: LIVING.RUHR » Happy Birthday to living.ruhr

  2. martin schmidt sagt

    einfach nur traumhaft! klassik trifft moderne! ein sehr geschmackvolles haus mit liebe zum detail. ich bin begeistert!

    • Bettina sagt

      Danke, lieber Martin! Ich war auch total begeistert von dem liebevoll eingerichteten Haus der beiden. Herzliche Grüße, Bettina

  3. Pingback: Traumwohnung in Essen-Rellinghausen

  4. Was für ein tolles Zuhause, Alt & Neu gemischt in der Wohnung lieb‘ ich ja total!
    Und deinen Blog finde ich auch richtig klasse, kannte ich noch nicht und freue mich gerade über die Entdeckung 🙂 Das Theme kommt mir irgendwie vertraut vor… 😉
    GLG von Mama in Essen

    • Bettina sagt

      Liebe Mama in Essen, das ist ja nett, danke! Habe mir natürlich direkt deinen Blog angeschaut und mich auch über die Entdeckung gefreut 🙂 … auf bald!
      Herzlich, Bettina

  5. Sabine sagt

    Dass man es als Gast bei Johannes und Uwe gut hat, kann ich gern bestätigen! Wir haben schon unser nächstes Wochenende bei den beiden „vorgebucht“ – leider können wir erst im nächsten wieder nach Buer/ Resse kommen.
    Toll ist am Haus vor allem, dass Johannes und Uwe selbst so kreativ und handwerklich geschickt sind, dass sie fast alles selbst gemacht oder renoviert bzw. restauriert haben.
    Auf Johannes‘ anderem Meisterstück (ja, er hat erst den Schreinermeister, dann den Parkettlegemeister gemacht!), der Holzbank im Esszimmer, kann man es übrigens stundenlang beim Frühstück, beim Kaffetrinken oder einfach so aushalten :-)) Eines von Uwes Meisterwerken hängt auch bei uns zu Hause an der Wand. Ich bin schon auf die nächste Vernissage gespannt!

    • Bettina sagt

      Ahoi Sabine, danke für deinen netten Kommentar! Kann ich so unterschreiben 🙂

  6. Ich bin begeistert! sowohl vom Bericht als auch von den Fotos aber am allermeisten von diesem geschmackvollen und individuellen Haus der beiden Männer.
    Nur wenigen Menschen gelingt es, ihrer persönlichen Umgebung so viel persönlichen Flair zu geben den man eben nicht fertig kaufen oder kopieren kann. Wie findest Du nur immer so interessante Locations?
    Sensationell!!

    • Bettina sagt

      Danke, lieber Jörn! Meistens komme ich – wie bei Uwe und Johannes auch – über gute Freunde an die Leute 🙂 Und ich freue mich immer über Hinweise der Blog-Leser!
      Herzlich, Bettina

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